Text-Bild-Ansicht Band 108

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haben kann, verwendet man ihn statt des Wolframs und behandelt ihn auf dieselbe Art. Das Wolfram kommt theils allein, theils in Gesellschaft von Zinnerzen36) vor. Wenn man die Zinnerze anwendet, wird das Erz auf gewöhnliche Weise vorbereitet bis es zum Schmelzen hergerichtet ist; nachdem dann das Erz getrocknet worden ist, vermengt man es mit soviel calcinirter Soda als dem Wolfram äquivalent ist, welches das Erz beigemengt enthält: angenommen z.B. das Erz enthalte 20 Proc. Wolfram, so sind in 100 Theilen desselben 15 Theile Wolframsäure, für welche 3 1/2 Theile kohlensaures Natron das chemische Aequivalent bilden; benutzt man daher eine käufliche Soda welche 50 Proc. Alkali enthält, so sind von derselben 7 Theile erforderlich. Mit dem Gemenge von Erz und Soda wird der unten beschriebene Ofen beschickt. Man kann statt der Soda auch 8 Theile feinpulverisirtes Glaubersalz, mit dem vierten Theil seines Gewichts Kohlenpulver vermengt, anwenden; die Beschickung im Ofen muß dann aber längere Zeit der Hitze ausgesetzt werden, nämlich bis gar keine Verbrennung mehr sichtbar ist.

Die aus dem Ofen gezogene Beschickung besteht aus dem ursprünglichen Zinnoxyd, dem auflöslichen wolframsauren Natron, ferner Eisen- und Manganoxyd nebst etwas Kieselerde. Das wolframsaure Salz wird daraus auf folgende Weise durch Auslaugen gezogen: Man stellt drei hölzerne Kufen von etwa 5 Fuß Höhe und 3 Fuß Weite neben einander; unter jeder ist ein Gefäß von dem dritten Theil ihres Inhalts, welches die aus dem Zapfenloch in der Seite jeder Kufe auslaufende Flüssigkeit aufnimmt; in jeder Kufe ist ferner vor dem Zapfenloch ein Filter angebracht, aus etwas Stroh oder Werg bestehend, über welche man ein mit Löchern versehenes Metallblech legt und durch einige reine Steine niederhält. Die erste Kufe wird zum Theil mit Wasser gefüllt und dann werden die Beschickungen aus dem Ofen in erkaltetem Zustande hineingebracht, bis die Kufe nahezu voll ist; man füllt dieselbe dann ganz mit Wasser und läßt sie etwa eine halbe Stunde lang stehen; hierauf wird der Zapfen theilweise gezogen, damit die klare Auflösung von wolframsaurem Natron in das unten befindliche Gefäß abläuft; aus letzterm kommt sie in Pfannen, worin man sie bis zur Bildung einer Salzhaut abdampft, worauf man sie in Kühlgefäßen krystallisiren läßt. Die erste Kufe, aus welcher Flüssigkeit abgezapft wurde,

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Das Wolfram findet sich ziemlich häufig auf Zinnerzlagerstätten im Erzgebirge, auf Gängen im Grauwackengebirg zu Straßberg und Neudorf am Harz etc.

A. d. R.