Text-Bild-Ansicht Band 108

Bild:
<< vorherige Seite

zufällig einfallenden Rindenstückchen kommen noch absichtliche Beimengungen von Sägespänen und andern Körpern in ihr vor. Einige vor Kurzem zu Markt gebrachte Proben enthielten nicht viel weniger als ein Viertheil an Uneinigkeiten, und selbst die reinste Sorte, welche ich zu chirurgischen Zwecken erhalten konnte, gab beim Reinigen von einem Pfund 2 Unzen Uneinigkeiten. Glücklicherweise aber ist es durchaus nicht schwer, fremdartige Körper in der Gutta zu entdecken, oder sie davon zu reinigen; man braucht sie nur bis zum vollkommenen Erweichen in Wasser zu kochen, dann in dünne Blätter auszurollen und hierauf alle Unreinigkeiten herauszuklauben, was sehr leicht ist, da die Gutta keinem Körper anhängt, und jeder fremdartige Stoff nur von ihren Fasern eingehüllt, aber nicht ihrer Substanz einverleibt ist. Die Gutta, welche man von einem Baum bekommt, wechselt von 5–20 Catties, so daß durchschnittlich 10 Bäume geopfert werden müssen, um 1 Picul Product zu erhalten. Nun beträgt die von Singapore vom 1. Januar 1845 an bis jetzt nach Großbritannien und dem europäischen Kontinent ausgeführte Gutta 6918 Piculs, zu deren Gewinnung 69,180 Bäume geopfert werden mußten. Um wie viel besser muß es daher seyn, die Bäume anzuzapfen, wie dieß die Burmesen behufs der Gewinnung des Kautschuks aus der Fiscus elastica machen (dieselben machen nämlich schiefe Einschnitte in die Rinde und fangen den ausfließenden Saft in Bambus auf). Allerdings würde man hiebei von einem Baum nicht so viel auf einmal gewinnen; aber der Gesamtgewinn wäre unberechenbar, da überdieß der Wachsthum dieses Baumes langsam vor sich zu gehen scheint, und bei weitem nicht so rasch wie bei Ficus elastica. Es wäre nicht zu verwundern, wenn bei zunehmendem Absatz und beim Beharren auf diesem ausrottenden Verfahren plötzlich einmal der Bedarf an Gutta-percha nicht mehr geliefert werden könnte.

In frischem und reinem Zustand ist die Gutta, wie gesagt, von schmutzigweißer Farbe; sie ist fettig anzufühlen und riecht lederartig. Kochender Alkohol ist ohne Einwirkung auf dieselbe; in kochendem Terpenthinöl und Steinöl löst sie sich aber schnell auf. Eine gute Masse zum Verpichen von Flaschen erhält man nach Dr. Little aus gleichen Theilen Gutta, Steinkohlentheer und Harz; wenn diese Masse sich aber in heißem Klima erhalten soll, so muß man von der Gutta 2 Theile nehmen. Beim Gebrauch kann die Gutta jederzeit wieder plastisch gemacht werden, indem man das sie enthaltende Gefäß ein paar Minuten über das Feuer setzt. Sie ist sehr entzündlich; ein Streifen davon brennt mit glänzender Flamme, sprüht dabei Funken aus und läßt einen dunklen Rückstand abtropfen, dem Siegellack ähnlich, mit welchem überhaupt