Text-Bild-Ansicht Band 108

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Dieses Stärkmehl, mit welchem die Natur die Pflanze behufs ihrer Vermehrung und späteren Entwickelung bedachte, eignet sich der Mensch, oft durch bloßes Kochen, zu seiner eigenen Ernährung an; am häufigsten aber benützt er das gleichzeitige Vorkommen von Zucker und Kleber in den das Stärkmehl liefernden Körnern; vermittelst der geistigen Gährung, welche er einzuleiten versteht, erhält er im letztern Falle statt eines schweren und unverdaulichen Teigs, oder eines dichten und compacten Kuchens, ein leichtes und schwammartig-poröses, leichtverdauliches Product – das Brod.

Das Brod ist eine gebackene Speise, welche kalt verzehrt wird, sich aufheben läßt ohne zu verderben, und daher in Vorrath und in großer Masse bereitet werden kann; es ist eine leicht verdauliche und dabei bequem anzuwendende Speise, durch welche die Verproviantirung mit dem geringsten Aufwand von Geld und Zeit möglich ist.

Es ist daher nicht zu verwundern, daß man mit jedem neuen stärkmehlhaltigen Nahrungsmittel, welches entdeckt wurde, den Versuch machte, es in Brod zu verwandeln, wozu sich am besten die Körner der Cerealien eignen; nachdem die Kartoffel im Feldbau und als Nahrungsmittel so weit Platz gegriffen hatte, daß in jüngster Zeit das Verderben dieser Knollen als ein allgemeines Unglück betrachtet werden mußte, war man bemüht ihr die Form zu geben, unter welcher die Getreidekörner ihre nützlichste Anwendung finden, nämlich sie zur Brodbereitung zu verwenden.

Man versuchte zuerst die Kartoffel für sich allein zu Brod zu verarbeiten, aber natürlich – umsonst. Nachdem man die Rolle jedes Bestandtheils des Getreides bei der Brodbildung besser zu würdigen gelernt hatte, beschränkte man sich später auf den Versuch, die Kartoffel bei der Brodbereitung in beschränkter, jedoch hinlänglicher Menge zuzusetzen, um den Preis jenes Nahrungsmittels zu vermindern, ohne dessen Güte sehr zu beeinträchtigen. Die vielen deßhalb angestellten Versuche beweisen die Wichtigkeit des Problems, besonders für die Zeiten eines Getreidemangels.

Bei Beurtheilung der Ursachen einer Theuerung darf man nicht bloß die absolute Menge des Nahrungsstoffs berechnen, welche in einem Land gewachsen ist oder ihm zugeführt werden kann, sondern muß auch ein großes Gewicht auf die Form legen, in welcher er zur Consumtion gebracht werden kann.

Wenn die Kartoffelernte gut und die Getreideernte schlecht ist, so wird die Verminderung der Getreidevorräthe auf das Wohl einer Bevölkerung, wie z.B. Irlands, nur von unbedeutendem Einfluß seyn.