Text-Bild-Ansicht Band 108

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In einem Land hingegen wie Frankreich, wo das Brod das Hauptnahrungsmittel ist, vermag ein Ueberfluß an Kartoffeln den Mangel an Getreide nur in dem Maaße zu ersetzen, als man sie in Brod verwandeln und in dieser besondern, durch Gewohnheit nun einmal zum Bedürfniß gewordenen Form zur Consumtion bringen kann.

Gesotten oder in der Asche gebraten, ist die Kartoffel eine minder verdauliche Speise als das Brod, welche gleich nach ihrer Zubereitung, noch heiß, verzehrt werden muß. Wäre sie in diesem Zustand ein fertiges Brod, wie mit Unrecht schon behauptet wurde, so dürfte es zweckmäßig seyn, ihr wo möglich auch die Form unseres gewöhnlichen Brodes zu ertheilen.

Es ist übrigens – sollte auch der Reinertrag eines bestimmten Bodens mit gegebenen Düngerarten, wenn man ihn mit Kartoffeln statt mit Getreidearten anbaut, etwas übertrieben worden seyn – gewiß, daß die Kartoffel, abgesehen von ihren übrigen Vortheilen für die Landwirthschaft, diejenige Pflanze ist, welche auf gleichem Flächenraum am meisten Nahrungssubstanz trägt; die Consumtion derselben in einem Lande ausbreiten, heißt sonach den urbaren Boden desselben vermehren. Bei der gewohnten Nahrungsweise in Frankreich, läßt sich die Kartoffelconsumtion am besten dadurch vergrößern, daß man sie zur Brodbereitung anwendet.

Man befürchtete, daß Verbesserungen im Brodbacken mit Zusatz von Kartoffeln den Betrug begünstigen, indem es dadurch möglich werde, dieselben heimlicherweise in das gewöhnliche Brod zu bringen, dessen von der Behörde geregelter Preis reinen Weizen voraussetzt. Ein solches Verfahren, wobei dem Brod nur sein Werth hinsichtlich des Stärkmehlgehalts verbliebe, würde seinen Gehalt an stickstoffhaltigen Substanzen vermindern, die bei der Ernährung eine Rolle spielen, welche das Stärkmehl allein keineswegs zu ersetzen vermag. Ist aber die Anwendung einer Verbesserung, aus welcher man zur Bereitung von Luxusbroden schon Nutzen zu ziehen anfing, aus dem Grunde zu verpönen, weil Betrüger sie mißbrauchen können? Gerade diejenigen, welche wollen, daß das Brod nicht einmal einen Verdacht möglich mache, wissen vielleicht nicht, daß viele der beliebtesten Brodsorten gerade dem Zusatz einer gewissen, etwa 6–7 Proc. ihrer festen Substanz betragenden Menge Kartoffeln zum Teige, ihre Vorzüge verdanken. Diese Beimengung, welche zu gering ist, als daß die Nährfähigkeit des Brodes durch sie beeinträchtigt würde (was übrigens auch durch umsichtigen Zusatz kleberreicher Mehle oder von Kleber selbst wieder ausgeglichen werden könnte), hat den Erfolg, daß man mit weniger Hefe ein besser aufgegangenes, leichteres