Text-Bild-Ansicht Band 107

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2) Rösten der gepulverten Erze. Man benutzt dazu einen ähnlichen Flammofen wie sie in den englischen Hütten gebräuchlich sind. Es ist bei dieser Operation darauf zu achten, daß das Erz nicht zusammenbackt; man beendigt sie durch ein verstärktes Feuer, um die entstandenen schwefelsauren Salze zu zersetzen.

Die Erfahrung hat bewiesen, daß der Schwefel fast vollständig ausgetrieben werden kann, so daß das erhaltene geschmolzene Kupfer nicht mehr als 4 bis 5 Tausendstel Schwefel enthält.

3) Schmelzen des gerösteten Erzes. Es geschieht meinem Flammofen mit Zuschlag von Kalkstein oder den erforderlichen Flußmitteln: die Reduction des Kupferoxyds erfolgt durch die gleichzeitige Wirkung der Kohle und des Eisens.

Die Erfinder dieses Verfahrens haben sich durch mehrere Versuche überzeugt, daß die Kohle allein zum vollständigen Reduciren des Kupferoxyds nicht hinreicht, man müßte denn einen Ueberschuß derselben anwenden und zwar bei Weißglühhitze; in diesem Fall bekommt man aber ein sehr eisenhaltiges Kupfer.

Dieses Schmelzen geschieht auf folgende Weise:

Das geröstete Erz wird mit dem gehörigen Quantum Kalkstein oder Flußmittel gemengt, ferner mit magerer Steinkohle in kleinen Stücken und in solchem Verhältniß, daß 2/3 Gewichtstheil Kohle auf 1 Gewichtstheil Sauerstoff vorhanden ist, welcher dem Eisenoxyd und dem Kupferoxyd entzogen werden muß. Uebrigens ist dieses Verhältniß kein strenges und folglich von den unvermeidlichen Abweichungen in der Zusammensetzung der Erze unabhängig. Dieses Gemenge wird in den Ofen geschafft und schnell in Fluß gebracht, wozu in dem erwähnten Versuchsofen 3 1/2 bis 4 Stunden Zeit nöthig waren. In einem großen Ofen dürften nicht über 5 Stunden erforderlich seyn. Wenn die Schmelzung vollständig ist, trennt sich das Kupfer in zwei Theile: ein starker Antheil ist durch die Kohle niedergeschlagen und der andere im Bad aufgelöst geblieben. Ein merkwürdiger Umstand ist, daß dieses Bad immer denselben Gehalt zeigt, welcher nur um 2 bis 2 1/2 Tausendstel Kupfer variirt.

Wenn das Bad geschmolzen ist, besteht die Operation darin, in die Schlacke Eisenstangen zu bringen, welche gegen die Arbeitsthür convergiren und horizontal an ihrer Stelle so erhalten werden, daß sie mit einer schwachen Schicht geschmolzener Masse bedeckt sind. Dieß erreicht man durch Kerben, welche in der der Arbeitsthür entgegengesetzten Ofenwand angebracht wurden. In den Ofen zu Grenelle kamen sechs Stangen, welche ungefähr 40 Kil. wogen und 1000 Quadratcentimeter Oberfläche