Text-Bild-Ansicht Band 107

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welche Schweißtropfen kostet nicht der jahrelange Fleiß und welch große Summen müssen hingeopfert werden bis am Ende ein Ziel erreicht ist!

Man sollte glauben der Mensch hatte schon längst Mittel und Wege aufgefunden diese Arbeit zu beschleunigen und zu fördern, besonders in unserer betriebsamen Zeit, wo ein jeder nach neuen Erfindungen und Entdeckungen hascht; trotz der Wichtigkeit und des großen Einflusses auf die Wissenschaften und technischen Gewerbe blieb es aber immer beim Alten, und mit wenigen Modificationen werden die alten Mittel heutzutage noch verwendet.

Aus diesen Gründen mußte im vorigen Jahre die Nachricht von Arago, daß es einem Franzosen Namens Fauvelle gelungen sey ein neues beschleunigendes Verfahren zum Bohren artesischer Brunnen zu entdecken, bei jedermann Freude erregen, da hiedurch auf einmal alle die Schwierigkeiten gehoben zu seyn schienen und nicht allein Zeit, sondern auch Kostenersparnisse in hohem Grade in Aussicht standen. Daß die Erfindung in der That gemacht und nicht bloß wie heutzutage viele um den Leuten das Geld aus der Tasche zu locken nur scheinbar war, dafür bürgte einestheils die Autorität und der gute Namen Arago's und der Umstand daß durch Unterstützung der Akademie und unter Aufsicht Arago's, ihres beständigen Secretärs der mathematisch-physikalischen Classe, der Erfinder praktische Versuche zu Perpignan anstellen mußte, anderntheils aber daß man wenige Monate nachher von Patenten las, welche der Erfinder nicht allein in den meisten deutschen Staaten, sondern auch in England, Holland, Belgien u.a. erhalten hatte.30) Seitdem ist es aber mit der Erfindung wieder ganz stille geworden, und nur durch Privatnachrichten ist mir bekannt daß in neuester Zeit unter Leitung des Erfinders in Belgien Versuche damit gemacht werden sollen.

Die Sache ist wichtig genug um öffentlich besprochen zu werden, denn nach den Berichten Arago's wird durch die Maschine in kürzester Zeit das geleistet, was man durch die jetzt im Gebrauch stehenden in Jahren nicht erreichen könnte. Welche Vortheile hieraus für die Wissenschaft und die Gewerbe erzielt werden könnten, ist kaum zu berechnen: auf der einen Seite könnte man in wenigen Wochen die schönsten geognostischen Untersuchungen über die verschiedensten Gebirgsformationen anstellen, die Zunahme der Wärme im Innern der Erde auf bisher nicht erreichbare Tiefen ergründen, sich über tiefliegende Steinkohlen- und Salzlager vergewissern, in den wasserärmsten Gegenden tiefliegende, nie versiegende Quellen, ja an vielen Orten sogar Thermen anbohren; auf der andern Seite aber wäre dem Fabricanten mit Leichtigkeit ein Mittel geboten sich Springquellen zu verschaffen, ja durch den geringen Aufwand womit man warme und heiße Quellen anbohren könnte, wäre ihre Anwendung Wasserwerke im Gang zu erhalten, welche während der strengen Winterzeit stillestehen, leicht ausführbar, ja eine Benützung ihrer Wärme selbst zu technischen Zwecken wäre leicht denkbar. (Mein Vater hat z.B. in den königlichen Gärtnereien zu Cannstatt über dem Ablauf eines, aus nicht sehr beträchtlicher Tiefe kommenden artesischen Brunnens, dessen Wasser beim Ausfluß beständig 16° R. zeigt, eine Gemüsetreiberei errichtet, welche ohne weitere Erwärmung in der ersten Frühlingszeit die schönsten Sommergemüse liefert.) Dieß sind aber noch nicht alle Vortheile, welche durch ein beschleunigtes und somit wohlfeiles Verfahren zum Bohren von artesischen Brunnen erzielt würden, es lassen sich noch viele andere denken, und deßhalb wäre es sehr zu wünschen daß der Erfinder in den Staaten wo er Patente erhalten hat, die Sache zur Ausführung bringen oder wenigstens solche Resultate seiner Versuche bekannt machen möchte, wodurch dieselbe constatirt würde, während an andern Orten, wo er keine Patente erlangt hat, man sich mit Versuchen abgeben sollte.

Obgleich ich nicht so glücklich war Zeichnungen oder eine nähere Beschreibung des Fauvelle'schen Verfahrens zu Gesicht zu bekommen, so habe ich mir doch aus den kurzen Andeutungen des Hrn. Arago das Verfahren so weit als es möglich war verständlich gemacht, doch ohne zu wissen ob es mit dem Fauvelle'schen übereinstimmt. Arago sagt nämlich, das Bohrgestäng sey hohl, anstatt wie bisher massiv, mit Beihülfe

30)

Hr. v. Fauvelle hat das Princip feiner Erfindung in einer der franz. Akademie der Wissenschaften eingereichten Notiz beschrieben, welche in den Comptes rendus veröffentlicht und daraus im polytechn. Journal Bd. CII S. 354 mitgetheilt wurde.