Text-Bild-Ansicht Band 107

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hülfe des Wassers werde die Reinigung des Bohrloches immer durch die Bewegung des Gestänges zu Stande gebracht u.s.w.

Nehme ich als Grundversuch des Ganzen folgendes Experiment an, das sich jedermann leicht augenscheinlich machen kann: man nehme einen hohlen Cylinder von Glas oder Metallblech unten mit einem Boden, fülle ihn mit Wasser und werfe mehrere Körper hinein die vermöge ihres Gewichts zu Boden sinken, fasse den Cylinder mit der Hand und bewege ihn schnell auf und ab, so werden nach wenigen Bewegungen die schweren Körper in dem Wasser aufsteigen und durch Bewegungen desselben am Ende oben ausgeworfen werden. Trägt man nun dieses einfache Problem auf eine hohle schmiedeiserne oder gezogene Röhre über, die unten eine Schärfung hat und in der Mitte noch mit einem S förmigen Erdbohrer versehen ist, so aber daß die Zwischenräume offen bleiben, und verwendet diesen hohlen Bohrer zur Eintreibung in die Erde mit jeder beliebigen Kraft, so hätte man, da diese Kraft eine auf- und abbewegende seyn muß, schon das erreicht daß, wenn man die Bohrröhre mit Wasser füllt, die sogenannten Bohrspäne durch diese Auf- und Abbewegung, also beim Tieferbringen des Bohrers selbst, immer ausgeworfen und das Bohrloch stets rein erhalten würde, und somit wäre ein besonderes Ausreinigen, das sogenannte Löffeln, wobei man stets das ganze Bohrgestäng ausheben muß, umgangen und die eigentlichen Bohrarbeiten könnten ununterbrochen fortgeführt werden, wodurch gegenüber dem bisherigen Verfahren mindestens die Hälfte der Zeit erspart würde.

Die zwei hiebei auftretenden Bedürfnisse sind hohle Röhren und Wasser, dazu kommt noch die Kraft um die durch das Gewicht des Wassers beschwerten Röhren auf und ab zu bewegen. Die Röhren müssen nicht nothwendig eine sehr weite Oeffnung haben, da man den Bohrer so einrichten kann, daß keine allzu großen Felsstücke in dieselbe gelangen, daß diese vielmehr leicht zermalmt werden, und wenn sich größere Stücke doch hineinpressen, so werden diese durch den Druck des Wassers in der Röhre, welcher wie eine Art Bramah'sche Presse wirkt, hinausgepreßt. Wesentlich kommt es aber bei denselben auf die Stärke und Güte des Eisens an, damit Abbrechungen derselben nicht so leicht möglich sind. Die Aneinanderfügung der Röhren könnte am besten, wie bei dem alten Bohrgestäng, mittelst Schrauben geschehen. Durch diese Umstände, namentlich durch die Dicke des Eisens, wird aber das Gewicht eines solchen Bohrgestänges um ein bedeutendes größer ausfallen als bei einem Stangengestäng. Das Wasser, als ein wesentliches Erforderniß zu dieser Bohrmethode, dürfte in Gegenden wo man es weit herführen muß, eine bedeutende Schwierigkeit verursachen; bedenkt man noch dabei daß der Verlust desselben ein großer ist, indem es, oben ausgeworfen, überallhin zerstäubt wird, nur weniges davon wieder gesammelt werden kann, und immer wieder neues zufließen muß um dem Zweck gehörig zu entsprechen, so kommt ein großes Quantum Wasser heraus das hiebei täglich verbraucht würde. Was nun die Bewegung des durch die größere Eisenmasse und das ganze Gewicht einer bei größeren Tiefen sehr beträchtlichen Wassersäule beschwerten Bohrgestänges betrifft, so wird sie ebenfalls ungleich schwieriger seyn als bisher. Bedenkt man hiebei noch, daß bei Anwendung von Menschenkräften, wie dieses gewöhnlich mit Hülfe zweier großen Hebel geschieht, die Arbeiter beständig der Feuchtigkeit und Nässe durch das Umherspritzen des Wassers ausgesetzt sind, so könnte man bei all diesen erschwerenden Umständen am Ende auf den Glauben kommen, daß eine solche neue Methode hinter der alten zurückbleiben müßte. Was aber hiebei durch ein größeres Gewicht des Bohrgestänges und des Wassers die Bewegung des ganzen Apparates erschwert, dürfte durch die Bewegung des Wassers selbst wieder erleichtert werden, denn ist das Wasser in der Bohrröhre einmal in auf- und abgehender Bewegung, so hilft es zur Emporhebung des ganzen Gestänges mit – ein Umstand den auch Arago hervorhob.

Somit könnte man mit einem solchen Bohrgestänge, wenn auch in Hinsicht des complicirteren Apparates und der Kosten einer bedeutenden Wasserzufuhr eine Vertheuerung einträte, jedenfalls in der Hälfte der Zeit als bisher Bohrlöcher von beträchtlicher Tiefe herstellen, und die Kosten, welche bisher durch die Länge der Zeit erwuchsen, könnten erspart werden, und würden sich mindestens ausgleichen. Theoretisch hat die Sache ihre vollkommene Richtigkeit, es fragt sich nun ob sie sich in der Praxis als nutzbar erweist) jedenfalls scheinen Hrn. Fauvelle Schwierigkeiten in den Weg getreten zu seyn, die wahrscheinlich bei tieferen Bohrungen eintreten, immerhin