Text-Bild-Ansicht Band 107

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von 5 bis 6 Centimetern hat, ist seit fünfzehn Monaten erhärtet und ihre Molecularbewegung ist noch nicht beendigt.

Vermischt man den Kieseläther mit Auflösungen gefärbter Substanzen in Alkohol, so erhält man mannichfaltige Farben. Einen der merkwürdigsten Effecte erhält man bei der Anwendung von Chlorgold: die Kieselerde färbt sich schön topasgelb; nach einer gewissen Zeit und unter dem Einfluß des zerstreuten Lichts bilden sich Goldblättchen mit Metallglanz mitten in der festgewordenen Masse und ertheilen ihr das Aussehen des Avanturins. Diese Entwicklung von krystallinischen Blättchen mitten in einer festen Masse ist gewiß eine merkwürdige Molecular-Erscheinung.

Setzt man den mit Chlorgold erhaltenen Avanturin dem directen Sonnenlicht aus, so färbt er sich blau, violett, rosenroth, bleibt jedoch durchsichtig. Man kann so auf nassem Wege die Färbung hervorbringen, welche man auf trockenem Wege mit Gold beim Krystallglas erzielt.

Wenn die Krystalle von metallischem Gold, welche sich mitten in der kieselerdehaltigen Masse gebildet haben, sehr zahlreich sind, kann man beim durchgehenden Lichte eine grüne Färbung beobachten.

Die meisten dieser Producte erfordern, wenn sie ein gewisses Volum haben, viel Zeit ehe man sie mit der Hand anfassen kann. Die Wärme der Hand reicht schon hin um Klüfte zu erzeugen; ich habe aber mehrmals beobachtet, daß diese Klüfte wieder verschwinden, wenn man die Substanz sich selbst überläßt. Die Probe von mittelst Chlorgold erzeugtem Avanturin, welche ich der Akademie vorlege und welche eine homogene Masse darstellt, wurde mehrmals in ihrer ganzen Breite klüftig, die Spalten sind aber wieder vollkommen verschwunden.

Die neuen Proben von künstlichem Hydrophan erhielt ich entweder mittelst noch sauren Kieseläthers oder mittelst Alkohol der mit Chlorsilicium gemischt war. Bei einigen dieser Producte betrug die Zusammenziehung 96 Proc. des ursprünglichen Volums, so daß sich der Hydrophan auf 1/25 des Volums verkleinerte, welches er beim Festwerden besaß.

Mehrere der bereiteten Hydrophane werden an feuchter Luft plötzlich durchsichtig. Erwärmt man sie auf 24 oder 32° R., so fangen sie an undurchsichtig zu werden, indem sie Wasser verlieren. Sie werden aber wieder fast ganz durchsichtig oder durchscheinend, wenn man fortfährt sie bei derselben Temperatur auszutrocknen. Das Wasser, welches sie nach und nach an der Luft bei dieser Temperatur verlieren, beträgt 45 Procent vom Gewicht des trockenen Hydrophans. Setzt man sie