Text-Bild-Ansicht Band 107

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und in beliebiger Dicke breit gestrichen; sie ist bindend und wird fast so hart wie Stein, ohne jedoch leicht brüchig zu seyn. (Monatsblatt des Gewerb-Vereins für das Großherzogthum Hessen, 1847, Nr. 5.)

Ueber ein neues Mittel das Ausbleichen oder Vertilgen der Schriftzüge auf Documenten zu entdecken, von Chevallier und Lassaigne.

Die Verfälschung beschriebener Papiere durch Ausbleichen der Schrift ist (in Frankreich) auf einen hohen Grad von Vollkommenheit gebracht worden. Ein Untersuchungsrichter zeigte uns ein Document, welches als verfälscht betrachtet wurde und worauf durch Behandlung desselben mit geeigneten Reagentien nichts zum Vorschein gebracht werden konnte, während durch ein bis jetzt geheim gehaltenes Verfahren die alten Schriftzüge wieder erschienen.

Wir untersuchten mit der größten Sorgfalt ausgebleichtes gestempeltes Papier, worauf die alte Schrift durch jenes Verfahren wieder zum Vorschein gebracht worden war, und kamen dadurch auf den richtigen Weg. Wir überzeugten uns nämlich, daß dieses Papier eine gelbe Farbe angenommen hatte und nicht mit einer Flüssigkeit behandelt worden war, woraus wir schließen mußten, daß die gelbe Farbe desselben durch ein Erwärmen entstand, welches so weit getrieben wurde, daß das Papier sich nicht verkohlen, sondern bloß gelb färben konnte. Durch Versuche mit ausgebleichten Documenten überzeugten wir uns auch bald, daß wir Recht hatten; solche Papiere nämlich, auf welchen weder in Gallapfelauszug, noch in einer Auflösung von Blutlaugensalz eine Schrift zum Vorschein kam, lieferten beim Erwärmen Züge, welche man lesen konnte.

Damit die Operation gelingt, muß man folgendermaßen verfahren: man macht in einem Ofen Gluth in geeigneter Menge an und hält dann das zu untersuchende Papier an das Feuer, indem man sich so stellt, daß es nicht verbrennen, sondern nur eine zarte rostgelbe Farbe annehmen kann; war auf demselben eine alte Schrift ausgebleicht, so erscheint sie wieder. (Journal de Chimie médicale, Nov. 1847, S. 581.)

Ueber den Zuckerstoffgehalt der Runkelrüben, von Barreswil und Michelot.

Die von Pelouze im Jahr 1831 beobachtete und von Peligot bestätigte Thatsache, daß die gesunde Runkelrübe nur krystallisirbaren Zucker enthält, hat sich auch uns bewährt. Unsere Beobachtungen wurden mit Wurzeln von verschiedenem Alter, von der Bildung der Würzelchen an bis zur Blüthezeit, angestellt. Das Mengenverhältniß des Zuckerstoffs wurde in sehr kurzen Zwischenräumen bestimmt.

Die analytischen Resultate ergaben, wie Hr. Pelouze schon beobachtet hatte, daß der Zuckerstoffgehalt nicht nur nach den Varietäten, sondern auch bei einer und derselben Runkelrübensorte nach einer Menge von Umständen verschieden ist. So bewirkt z.B. der Einfluß von Regen oder Trockne einen solchen Unterschied, daß das Gewicht der Runkelrübe durch Verlust oder Aufsaugung von Wasser in Zeit von 8 Tagen um 25–30 Proc. differirt.

Aus unseren zahlreichen Versuchen geht hervor, daß der Zuckergehalt der (in der Erde gekeimten) sehr kleinen Runkelrüben wirklich sehr verschieden ist, von demjenigen der etwas starken Rüben und daß er in beinahe constantem Verhältniß steht zur Menge trockner Substanz, gleichviel wie groß die Wurzel sey. Ein sechsmonatlicher Aufenthalt in Silos (freilich während eines trocknen Winters) verändert die chemische Beschaffenheit der Runkelrüben gar nicht und hat auf ihren Zuckergehalt keinen merklichen Einfluß. Endlich bleibt die Zuckermenge, welche im Samen null ist und in den jungen Wurzeln beständig zunimmt, in den Mittlern und großen Rüben stationär bis zur völligen Reife und nimmt dann während der ganzen Periode der zweiten Vegetation immer ab. (Comptes rendus, 1847, 2tes Sem. Nr. 6.)