Text-Bild-Ansicht Band 107

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Gerbestoff-Leim zu bereiten, vermischt er zwei Flüssigkeiten, wovon die eine 36 Th. Gerbestoff, die andere 64 Theile Leim enthält. Unter Schwefelbalsam versteht er eine in der Wärme bereitete Auflösung von 2 Th. Schwefelblumen in 8 Th. Leinöl. Seine verschiedenen Mischungen bereitet Bielefeld mittelst der Wärme oder in einer durch Dampf erwärmten Reibmaschine. Er gibt folgende Mischungen an: 9 Theile Gerbestoff-Leim, 18 Th. venetianischer Terpenthin und 4 bis 5 Th. Gutta-percha, Weihrauch und Schwefelbalsam in verschiedenen Verhältnissen.

Sollen Matrizen hergestellt werden, welche einen beträchtlichen Druck auszuhalten vermögen, so versetzt er die Composition mit feiner Eisenfeile, Mennig, Bleiweiß, Eisenoxyd oder anderen Metalloxyden. Diese verschiedenen Compositionen werden heiß gegossen; man kann sie auch als plastische Materialien verwenden und in diesem Falle ertheilt man ihnen dadurch eine größere Zähigkeit, daß man ihnen zerschnittene Lumpen oder überhaupt eine faserige Substanz beimengt.

Um Zierrathen aus Steinpappe für die Architektur herzustellen, pflegt man Reliefs dadurch zu erzeugen, daß man auf hölzerne Zierrathen nach und nach mehrere Schichten einer Mischung von Kreide und Leim aufträgt und dann die erhaltene Fläche polirt. Bei diesem Verfahren muß aber das geschnitzte Holz schon alle die feinen Details besitzen, welche man zu erhalten wünscht. Diese kostspielige Handarbeit macht B. dadurch entbehrlich, daß er zwischen das bearbeitete Holz und ein Metallblatt die Composition gießt, welcher er ein wenig Melasse zugesetzt hat; er regulirt die Dicke der aufzutragenden Composition durch die Entfernung der Oberflächen und vollendet die Arbeit, indem er den Gegenstand heiß in die auf oben beschriebene Weise verfertigten Matrizen preßt. (Repertory of Patent-Inventions, März 1847.)

Ueber die Anwendung der Gutta-percha zum Abformen.

Ueber diesen Gegenstand hielt Hr. Husk einen Vortrag bei der letzten Versammlung der British Association. Nach folgendem Verfahren erhielt er seine Formen: die Gutta-percha wird auf einer glatten Fläche zu Blättern von verschiedener Dicke ausgerollt; wenn die abzuformenden Gegenstände klein sind, braucht die Dicke der Blätter nicht über ¹ ₁ oder ¹ ₁₆ Zoll zu betragen. Das Blatt wird kurze Zeit in kochendes Wasser getaucht und warm auf den Gegenstand gelegt, auf dessen Oberfläche man es mittelst der Fingerspitze oder eines elastischen Bällchens sorgfältig andrückt, um es ihr dicht und gleichförmig anzupassen. Weiche Gegenstände lassen sich nur abformen wenn sie Elasticität besitzen, wie z.B. lebende oder todte thierische Körper. Zum Abformen sehr zerbrechlicher Gegenstände eignet sich die Gutta-percha gar nicht. Die zartesten Gegenstände aber und die feinsten Erhabenheiten lassen sich, wenn das aus Gutta-percha bestehende Original fest genug ist, beim Gypsguß ohne alle Schwierigkeit von der Matrize trennen, wenn man letztere durch kurzes Eintauchen in heißes Wasser erweicht.

Die weiße Gutta-percha eignet sich zum Abformen besser als die schwarze. (Practical Mechanics' Magazine.)

Anwendbarkeit der Gutta-percha zur Metallmaternanfertigung von Holzschnitten.

Die Gutta-percha, seit kurzem in rohem Zustand und auch im gereinigten als Halbfabricat in den Handel gebracht, in unendlich vielen Fällen das Leder und den Kautschuk zu ersetzen geeignet, verspricht auch für die Buchdruckerkunst von Wichtigkeit zu werden. Weniger den Temperatur-Einflüssen ausgesetzt als der Gummi, und in jede beliebige Form zu bringen, ist große Aussicht für ihre Verwendung zu Druckwalzen vorhanden.