Text-Bild-Ansicht Band 107

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eingereicht. Er zeigt darin an, daß es ihm gelungen sey ein im Großen anwendbares System zu ermitteln, wodurch man die bei der Verbrennung des Schwefels entstandene schwefliche Säure ohne alles Zwischenmittel mit dem Sauerstoff der Luft verbinden und vollständig in Schwefelsäure verwandeln kann. Durch die Untersuchungen mehrerer Chemiker, in der letzten Zeit insbesondere durch die schönen Versuche des Hrn. Kuhlmann, wurde es außer allen Zweifel gesetzt, daß sich der Sauerstoff der Luft unter dem Einfluß poröser Körper (Platinschwamm, Bimsstein) direct mit der schweflichen Säure zu Schwefelsäure verbinden läßt; bis jetzt fehlte es aber gänzlich an einem Verfahren, um diese Reaction mit Vortheil zur Bereitung der Schwefelsäure im Großen anwenden zu können.

Hr. Schneider erbot sich vor dem Comité (der Société d'Encouragement) für chemische Künste den Versuch in einem aus Blei verfertigten Apparat, welcher ein Modell seiner neuen Construction ist, zu wiederholen. Dieses Anerbieten wurde angenommen und die Mitglieder des Comité's untersuchten sorgfältig die sinnreiche Einrichtung dieses Apparats, welcher ihnen den Bedingungen der Ausführbarkeit im Großen zu entsprechen schien. Um dessen Wirksamkeit gehörig prüfen zu können, gesellte sich das Comité zwei junge Chemiker bei, welche die Operationen während eines ganzen Tages verfolgten. Zuerst wurde der vom Erfinder zubereitete Bimsstein in den einzelnen Behältern vertheilt; man brachte bloß Wasser in die verschiedenen Gefäße, worin die Gase und Dämpfe circuliren mußten. Nachdem dann alle Oeffnungen der verschiedenen Gefäße durch hydraulische Absperrungen verschlossen worden waren, zündete man den Schwefel an und die Verbrennung wurde ohne Unterbrechung fortgesetzt; gegen 5 Uhr Abends wurden alle gesäuerten Flüssigkeiten gesammelt und vermischt, um ein durchschnittliches Muster davon zu erhalten. Hr. Peligot überzeugte sich bei dessen Untersuchung, daß es keine Stickstoffverbindung enthielt.

Durch Sättigung dieser Flüssigkeit nach vorausgegangenem Kochen überzeugten wir uns, daß die Gesammtmenge der Säure sich dem Maximum nähert, welches man durch die jetzt gebräuchlichen Verfahrungsarten in den Schwefelsäure-Fabriken erzielt. Zwei Tage später wurde ein ähnlicher Versuch angestellt und lieferte fast dieselben Resultate.

Wir müssen hieraus schließen:

1) daß man nach Schneider's Methode die Schwefelsäure ohne Beihülfe von Salpetersäure oder eines salpetersauren Salzes fabriciren kann;