Text-Bild-Ansicht Band 98

Bild:
<< vorherige Seite

sie viel größere Räder in Gang sezen, daß viel größere und festere Schienen und viel größere Spurweiten in Anwendung kommen, als man jezt für anwendbar hält. Es ist mit dem Geist des Fortschritts daher nicht vereinbar, daß wir uns durch Parlaments-Acte an eine fixe Spurweite binden.“ (Civil Engineer and Architects' Journal, Aug. 1845, S. 247.)

Coriolis und Poncelet, über das neue Schleußensystem mit Schwimmer von D. Girard.

Das Absehen Girard's bei seiner Schleuße mit Schwimmer ist darauf gerichtet, das Durchschleußen von Fahrzeugen möglich zu machen, ohne deßhalb die zu jeder Füllung der Schleußenkammer erforderliche Wassermenge aufopfern zu müssen. Es wurden schon früher mehrfach verschiedene Vorrichtungen zur Erreichung desselben Zwekes angegeben, z. B. die geneigten Flächen von Rainolds und Foulton, Mercadier's Schleußen mit Wagen, die mit beweglicher Kammer von Solage und Bossut, die mit Schwimmer und Gegengewicht von Bétancourt, endlich die mit Kolben und Heber von Burdin. Thilorier schlug vor, durch Pferde- oder Windskraft das verloren gegangene Wasser wieder in die Höhe zu heben. Nach dem Systeme von Raynolds, Foulton und Mercadier bedient man sich der Kraft eines niedergehenden Fahrzeuges, um ein anderes aufzuheben. Nach der Einrichtung von Solage und Bossut wird die Schleußenkammer von einem Gefäße getragen, welches in einen Wasserbehälter taucht; Hebung und Senkung wird durch Zuführung des Wassers in die Schleußenkammer oder Ableitung daraus hervorgebracht. Nach Bétancourt wird ein Wasserbehälter mit der Schleußenkammer in Verbindung gesezt und das Wasser in dieser Schleußenkammer dadurch zum Steigen gebracht, daß sich ein durch ein Gegengewicht mit veränderlicher Wirkung äquilibrirter Schwimmer in den Behälter senkt, oder aus demselben heraushebt. Bei dem Burdin'schen Systeme ist ebenfalls ein zur Seite liegender Behälter angewendet; der leztere ist allseitig gegen den Zutritt der Luft geschüzt; auf ihn wirkt ein Kolben, welcher wie bei einer Saugpumpe ein Volumen Wasser, wie es die Schleußenkammer fordert, entweder austreibt oder einzieht, ohne daß der Schwerpunkt der in beiden Behältern enthaltenen Wassermasse seine Lage verändert, weßhalb bei Bewegung des Kolbens nur die Reibungswiderstände zu überwinden sind.

Nach dem Girard'schen Systeme wird zur Seite der Schleuße ein großer Wasserbehälter von entsprechender Tiefe hergestellt; ein prismatischer Kasten, welcher durch einen Schwimmer von möglichst kleiner Dimension getragen wird, schwimmt in diesem Wasserbehälter und enthält selbst bis zu einer gewissen Höhe Wasser und zwar so viel als zur Füllung der Schleußenkammer erforderlich ist. Wenn nun die Schleußenkammer leer ist und man will sie füllen, so steht der Wasserspiegel in dem schwimmenden Gefäße um ein wenig, etwa 5 Centim. höher als der Wasserspiegel in der Schleußenkammer. Den mit Wasser gefüllten Raum des schwimmenden Behälters sezen nun 10 große immer mit Wasser angefüllte Heber in Verbindung mit der Schleußenkammer; werden dieselben nun geöffnet, so tritt das Wasser aus dem Behälter in die Schleußenkammer, zugleich hebt sich das leichter werdende schwimmende Gefäß und es ist die Berechnung der entsprechenden Gewichte so ausgeführt, daß die Hebung dieses Gefäßes in derselben Art erfolgt, wie das Steigen des Wasserspiegels in der Schleußenkammer. Hat das Niveau in der Schleußenkammer die gewünschte Höhe erlangt, so werden die Heber geschlossen; es erfolgt dieß durch die Vorrichtung selbst, wenn der Wasserspiegel in der Schleußenkammer etwa 10 Centim. unter dem Wasserspiegel des Oberwassers liegt. Wird nun das Fahrzeug nach der oberen Canalhaltung durchgeschleußt, so hat man nur ein Wasserprisma von 10 Centim. Höhe aus derselben zu entnehmen.

Nach vollbrachtem Durchgange kann leicht hierauf das umgekehrte Spiel der Vorrichtung eingeleitet werden, nämlich ein Fahrzeug zu Thale durchzuschleußen und zugleich das Wasser aus der Schleußenkammer in den schwimmenden Wasserbehälter überzuführen. Da nämlich zu Anfange des beschriebenen Spieles das Niveau in dem schwimmenden Behälter 5 Centim. höher lag als in der Schleußenkammer, so muß es jezt um eben so viel tiefer liegen und wenn man nun die Heber öffnet, so wird der Uebertritt aus der Schleußenkammer in den schwimmenden