Text-Bild-Ansicht Band 98

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gewöhnlichen verhalten, wie ein gutes bayerisches Bier zum gewöhnlichen Bier, zu dessen Darstellung die nämliche Quantität Malz und Hopfen gedient hat.

Der Wein muß dadurch in der kürzesten Zeit die nämliche Reife und Güte erhalten, die er sonst erst nach jahrelangem Lagern zeigt.

Wenn man sich erinnert, daß die Weinbereitung auf Ende Oktober, also gerade in die kühle Jahreszeit fällt, die der Biergährung so günstig ist, daß hiezu keine andere Bedingung als ein sehr kühler Keller und offene weite Gährgefäße gehören; daß die Gefahr der Säuerung beim Weine unter allen Umständen viel geringer ist als beim Bier, so wird auf den besten Erfolg mit Sicherheit gerechnet werden können.

Ganz diesen Principien entgegen findet die Gährung des Weins am Rhein an sehr vielen Orten nicht in kühlen Kellern, sondern in offenen viel zu hoch und deßhalb zu warm liegenden Räumen statt und man schließt durch aufgesezte Blechröhren, die mit Wasser gesperrt sind, den Zutritt der Luft während der Gährung völlig ab.

In dieser Hinsicht wirken diese Röhren jedenfalls nachtheilig auf die Qualität des Weins; sie sind in jeder anderen als eine vollkommen nuz- und zweklose Erfindung eines müßigen Kopfes zu betrachten, die man eben nachahmt, ohne sich weitere Rechenschaft zu geben.“

Verwundert sehen die Weinproducenten diese Säze an; sind sie richtig und entspricht der Erfolg jener Theorie, so können sie nur mit Wehmuth auf ihr bisheriges Bestreben zurüksehen; alle Mühe, den Wein in passenden Fässern gähren zu lassen, alle Lehren, den Most ja vor dem Zutritt der Luft zu bewahren, und alle bisherigen Erfahrungen über die Auffüllung der Moste sind hiedurch über den Haufen geworfen und zu nichte gemacht; wir kommen aus all' der Praxis die Jahrhunderte begründet haben, und durch die in der neuesten Zeit so Vorzügliches geleistet wurde, und greifen wieder zurük auf die ursprüngliche Weinbauweise, wo man wohl den Saft der Traube in offenen Gefäßen der Gährung überließ, und dann genoß, wie Vater Noah auch gethan haben mag.

In Württemberg besteht an manchen Orten die sogenannte Zwangskelter, d. h. die Eigenthümer oft großer Weinberge sind verpflichtet, auf einer und derselben Kelter ihre Beeren zu keltern, um der Herrschaft eine Abgabe hievon nicht entziehen zu können. Die Beeren stehen sehr oft der Luft ausgesezt und durchlaufen so ihre