Text-Bild-Ansicht Band 98

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Anfangs Julius fiel Regenwetter ein, welches mit sehr weniger Unterbrechung bis zum halben August fortwährte, wodurch der Vorsprung, den die Trauben hatten, nicht nur wieder verloren ging, sondern auch das weitere Wachsthum durch die dabei herrschende niedere Temperatur sehr gehemmt wurde.

Mitte August trat wieder günstige Witterung ein, welche aber im September durch häufigen Regen unterbrochen war, so daß die Entwikelung der Trauben wieder zurükgehalten wurde, und die Weichperiode erst Mitte dieses Monats eintrat.

Da es besonders an Wärme fehlte, so nahm die Traubenreife auch nicht den gewünschten Fortgang, bis im Oktober bessere Witterung eintrat, welche noch einen sehr vortheilhaften Einfluß auf die Trauben übte, weßwegen die allgemeine Lese in Würzburg bis zum 6. November verschoben, und erst am 16. November beendet ward, und durch diese Zögerung wurde noch ein sehr brauchbares Product gewonnen.

Zu einem nach der Angabe des Hrn. Dr Liebig anzustellenden Versuche wurden nun Rießlinge gewählt, welche am lezten Tag der Lese, 16. November, geherbstet wurden, und zwar bei trokenem Wetter und einer Temperatur von 7–8° R.

Die Beeren wurden gemostet, und alsbald in das Kelterlocal gebracht, welches sich in einem sehr geräumigen Keller mit sehr constanter Temperatur befindet; der Thermometerstand war 8°. R.

Da unsere Weinbaugelehrten noch nicht einig sind, ob das Bouquet in der Hülse, unter derselben, oder im Saft seinen Siz habe, so zog ich für dießmal meine Erfahrung den bereits aufgestellten Theorien vor, und ließ die Beeren, nachdem sie einen Tag gestanden, am 17. rappen und keltern.

Das Ergebniß von neun fränkischen Butten war 16 Eimer, das specifische Gewicht des Mostes 1,080, welche Consistenz in der Regel einen Wein von mittlerer Güte erwarten läßt.46)

Um nun die Vorzüge der einen Gährungsweise vor jenen der anderen möglichst entschieden zu constatiren, und um einen Anhaltspunkt für ein deßfallsiges Urtheil zu erhalten, habe ich folgendes comparative Verfahren eingehalten:

Es wurden nämlich besagte 16 Eimer auf ein Faß gefüllt, das vorher mit Wasser gereinigt worden war, um alle Schwefeltheile zu entfernen.

46)

Hr. Dr. Geyer, Professor der Technologie und Staatswirthschaft an hiesiger Universität, hatte schon seit 1827 die Gefälligkeit, den Zukergehalt der hiesigen ärarialischen Möste jährlich zu bestimmen, worauf sich obiges Urtheil gründet.