Text-Bild-Ansicht Band 98

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reifen Trauben, des Mostes von der Kelter, so wie des Weins bei der Nachgährung, Hr. Dr. Scherer, königl. Professor an hiesiger Hochschule, zu unternehmen die Gefälligkeit, und werden diese Mittheilungen — die schon theilweise im verflossenen Jahr im Programm der königl. Kreis-Landwirthschafts- und Gewerbsschule zu Würzburg mittgetheilt wurden, demnächst nach ihrer vollständigen Beendung von demselben veröffentlicht werden.

Nachdem nun derselbe Most den angegebenen verschiedenartigen Behandlungsweisen untergezogen worden war, so erschien es als im hohen Grade interessant, das Urtheil Sachverständiger über beide Weine zu vernehmen; ich habe deßhalb anerkannte Autoritäten in verschiedenen Gegenden zu Rathe gezogen, die Proben ihrer Beurtheilung unterstellt, und ihnen der Gleichförmigkeit willen dieselben Fragen aufgeworfen.

Ich bin nun in den Stand gesezt das Ergebniß zu veröffentlichen und füge dasselbe hier an:

1) Gutachten des herzogl. nassauischen Hofkammerraths und Oberkellermeisters Köpp zu Biebrich.

Auf den Vorschlag des Hrn. Dr. Liebig, den Weinmost in offenen Gefäßen vergähren zu lassen, hat der königl. bayerische Hr. Hofkellermeister zu Würzburg einen Versuch gemacht und dem Unterzeichneten folgende Proben mit beigefügten Bemerkungen und Fragen zur Beurtheilung zugeschikt.

Probe. I nach Liebig'schen Principien, in offenen Gefäßen vergohren.

Probe II nach landesüblicher Art im Faß vergohren.

Bemerkung. Beide Weine waren vor der Gährung zusammen in ein Faß gefüllt und sind Rießlingsgewächse vom Jahr 1844.

Fragen. Antwort.
I. I.
Ist die Probe Nr. 1 einem alten Wein zu vergleichen? oder findet eine Aehnlichkeit mit solchem statt? Die Probe Nr. 1 ist keinem alten Wein zu vergleichen. Was vielleicht Manche dafür erklären, ist nichts als eine hervorstechende Säure.
II. II.
Wie verhält sich Probe Nr. 1 zu der auf die gewöhnliche Weise im Faß vergohrenen Weinprobe Nr. 2? Welche von beiden Sorten ist die bessere? Die Probe Nr. 2 ist zukerreicher, aromatischer und geistig gehaltvoller als Nr. 1
III. III.
Hat der offen gegohrene Wein einen besondern Geschmak oder Geruch, welcher ihn empfiehlt? Der offen gegohrene Wein hat weder Geschmak noch Geruch, der ihn empfehlen könnte.