Text-Bild-Ansicht Band 98

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wurden. Dieß war schon eine Art Auslaugung. Man sättigte die Flüssigkeit, wenn sie concentrirt genug war, durch Zusaz von Kalkwasser in schwachem Ueberschuß und dampfte die klar abgegossene Flüssigkeit ein. Die erste Krystallisation lieferte im Roth'schen Apparat sogenannte bonne quatriéme, die zweite bonne commune.

Schützenbach stellte zahlreiche und mannichfaltige Versuche an; er versuchte auch statt des schwefelsauren Wassers Weingeist anzuwenden, wobei er allerdings sehr merkwürdige Resultate erhielt; aber die Feuersgefahr bei einer so häufigen Anwendung ungeheurer Quantitäten Weingeists wäre so groß, daß man nothwendig davon abstehen muß.

Zulezt kam Hr. Schützenbach wieder auf das mit Schwefelsäure oder Aezkalk geschärfte Wasser zurük und gab das Auspressen des befeuchteten Pulvers auf; er laugte nämlich die ausgetrokneten Rübenschnitte methodisch in offenen Gefäßen aus.

Das Auslaugen in Fässern, welche in Reihen übereinander aufgestellt sind, wurde schon längst in den Salpeterplantagen angewandt. Später wurde dieses Verfahren unter der Benennung „Maceration“ auch zum Erschöpfen der frischen Runkelrüben benuzt. Man hat einige Zeit in der Fabrik des Hrn. Demesmay nach diesem Verfahren gearbeitet. Der Apparat bestand aus neun Kufen, welche im Kreise aufgestellt waren und durch eine besondere Einrichtung rasch auf eine Temperatur von 72° R. gebracht werden konnten. Von diesen neun Kufen waren sechs fortwährend beschikt, eine ausgeleert und eine für Unfälle in Reserve; mit den sechs beschikten Kufen verhielt es sich während der Operationen so, daß wenn z. B. die Kufe Nr. 6 frische Rüben enthielt, in der Kufe Nr. 1 erschöpfte Rüben waren und in den anderen Kufen Rüben im Zwischenzustande. Es ist aber klar, daß man beim Auslaugen frischer Rüben nach dieser Methode mehr Brennmaterial verbraucht als beim Auspressen des Safts, weil die abzudampfende Flüssigkeit immer viel beträchtlicher ist. Auch wurde dieses Verfahren von Hrn. Demesmay wieder aufgegeben und durch gewöhnliche Pressen und Reiben ersezt.

Aus dem Vorhergehenden ist ersichtlich, daß man bisher das Verkochen nicht umgehen konnte und daß das Auslaugen nach Schützenbach höchstens dahin führte, daß man aus den getrokneten Rüben ohne vorläufige Läuterung oder Klärung direct Syrup von mittlerer Concentration erhielt. Hr. Duquesne stellt hingegen bei seinem Verfahren kein geringeres Resultat in Aussicht, als aus den getrokneten Rüben ohne Beihülfe der Läuterung so reine und concentrirte