Text-Bild-Ansicht Band 98

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über die bisherigen Methoden die ausgetrokneten Runkelrüben zu extrahiren, hat man jedoch in den Zukerfabriken nie und zu keiner Zeit die Auslaugung in geschlossenen Gefäßen angewandt. Nun sind aber die Resultate, welche man in geschlossenen und in offenen Gefäßen erhält, außerordentlich verschieden, nicht sowohl weil der Luftzutritt die Erzeugung von Melasse begünstigt, sondern weil man bei Anwendung geschlossener Gefäße die ausgetrokneten Rüben unter einem bedeutenden Druk extrahiren kann. Diesen Druk erzielt Hr. Duquesne entweder mittelst einer Flüssigkeitssäule von der erforderlichen Hohe oder mittelst einer Drukpumpe oder mittelst Dampfdruks.

Die in einen Cylinder eingetriebene Flüssigkeit läßt man eine Viertelstunde lang wirken; nach Verlauf dieser Zeit wird sie rasch und mit Gewalt ausgetrieben durch den Druk der neuen Flüssigkeit, welche sie verdrängt, und da sie von Oben nach Unten durch eine viel weniger dichte Flüssigkeit verdrängt wird, so findet nur eine schwache oder gar keine Vermischung statt. Diese Verdrängungsmethode wurde allerdings schon zur Bereitung pharmaceutischer Präparate und bisweilen in chemischen Laboratorien, z. B. zur Darstellung von Gerbestoff benuzt; unseres Wissens ist aber dieses Verfahren noch niemals in den Fabriken im Großen angewandt worden, und offenbar hat Hr. Duquesne in den Zukerfabriken zuerst anstatt des bisherigen Auslaugens in übereinander stehenden Fässern die Verdrängungsmethode eingeführt.

Man glaubte die Anwendung des Kalks bei der Behandlung ausgetrokneter Runkelrüben entbehren zu können; dieß betrachten wir jedoch als einen Irrthum. Boutron und Fremy haben bewiesen, daß während der Aufbewahrung der Runkelrübenschnitte ein Antheil ihres Zukers sich in Milchsäure verwandelt, und es ist beim Extrahiren des Zukers unumgänglich nöthig diese Säure vorläufig zu sättigen; übrigens haben schon Hr. Lirac, welcher gepulverten Kalk anwandte, und Hr. v. Forbin-Janson, welcher Holzkohlenpulver benuzte, sich überzeugt, daß mit diesen Substanzen bepuderte Runkelrübenschnitte leichter (an der Sonne) austroknen und sich viel besser conserviren. Ob der Rükstand nach der Extraction solcher Rüben noch als Viehfutter anwendbar ist, muß erst durch Versuche entschieden werden; das Kohlenpulver dürfte jedenfalls unschädlich seyn. Auch können wir jezt noch nicht sagen inwiefern der Rükstand bei Duquesne's Verfahren mit dem ausgepreßten Brei der gewöhnlichen Fabriken zu concurriren vermag; darüber kann uns nur die Zukunft aufklären.