Text-Bild-Ansicht Band 98

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Glas bei verschiedenen Zuständen Differenzen von mehr als 4° geben können.

Angenommen aber auch, das Instrument und die Flüssigkeit seyen in den günstigsten Umständen zur Lösung der Aufgabe, so bezeichnet doch in der That der Alkoholometer nur die Dichtigkeit der Flüssigkeiten und seine Angaben sind nur wahr, wenn diese Flüssigkeiten reine Mischungen von Alkohol und Wasser sind; sobald sie aber die geringste Menge Zuker, Syrup, Farbstoff enthalten, kurz sobald sie an Dichtigkeit durch eine fremdartige Substanz zunehmen, wird das Instrument untreu und seine Angaben stimmen mit dem wirklichen Alkoholgehalt nicht mehr überein. Um in allen Fällen den Alkoholgehalt der gegohrenen oder destillirten Flüssigkeiten mit Genauigkeit bestimmen zu können, muß man daher ein Instrument anwenden, welches nach einem anderen Princip construirt ist.

Die Destillation, welche oft angewandt wird, scheint nicht ohne Schwierigkeiten zu seyn und die Kaufleute wissen sehr wohl, daß nach der Art wie man den Destillirkolben erhizt, einer Flüssigkeit mehr oder weniger Alkohol entzogen werden kann, wenigstens innerhalb einer gegebenen Zeit.

Man begreift daher, wie wichtig es wäre ein Instrument zu besizen, welches auf ein anderes Princip als die gewöhnlichen Alkoholometer und Weinwaagen gegründet, dabei leicht anzuwenden ist und dessen Angaben vollkommen sicher sind; ein solches scheint Hr. Brossard-Vidal mit Erfolg ausgeführt zu haben; wir wollen nun das Princip, die Construction und Anwendung seines sogenannten Alkoholometers mit Zifferblatt (Alcoomètre à cadran) erläutern.

Es ist bekannt, daß unter dem mittleren Druk der Atmosphäre, welcher einer Queksilbersäule von 0,760 Met. entspricht, das Wasser bei 100° C. siedet; nach Gay-Lussac siedet unter demselben Druk von 0,760 Met. der reine Alkohol bei 78°. 41 C. Es findet also bei gleichem Druk eine Temperatur-Differenz von 21°. 59 zwischen dem Siedepunkt des Wassers und demjenigen des reinen Alkohols statt. Vermischt man Wasser mit Alkohol, so ist, wie die Erfahrung lehrt, der Siedegrad der Mischung nach dem Verhältniß der beiden Flüssigkeiten verschieden. Ist nun, wenn man vom Siedepunkt der einen dieser beiden Flüssigkeiten ausgeht, die Differenz proportional dem Gehalt der Mischung an der anderen Flüssigkeit? In diesem Fall wäre nichts leichter als ein auf den Siedepunkt der Mischungen gegründetes Alkoholometer herzustellen, indem man dessen Scala in gleiche Theile theilt, welche folglich dem Alkoholgehalt dieser Mischungen proportional wären.