Text-Bild-Ansicht Band 98

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weißen Flamme und sezt Kieselerde als unfühlbares Pulver ab. Die Formel des Kieselerde-Aethers ist SiOC4H5O und die Dichtigkeit seines Dampfs 7,18.

Wenn man das Product, welches zwischen 170 und 300° C.überdestillirt, besonders auffangt und analysirt, so findet man daß es den Kohlenstoff und Wasserstoff stets in demselben Verhältniß enthält wie der vorhergehende Aether, daß aber der Gehalt an Kieselerde mit der Temperatur zunimmt. Die über 300° C. hinaus überdestillirende Flüssigkeit ist farblos und besizt einen schwachen Geruch und einen ganz verschiedenen Geschmak vom vorhergehenden Aether; ihre Dichtigkeit ist 1,035. Gegen Wasser und Alkalien verhält sie sich eben so wie dieser Aether; ihre Zusammensezung entspricht der Formel (SiO)2C4H5O. Die Kieselerde bildet also wenigstens zwei Aether.

Wenn man einen dieser beiden Aether lange mit feuchter Luft in Berührung läßt, so erstarrt die Flüssigkeit endlich zu einer durchsichtigen Masse. An den ersten Tagen nach dem Erstarren ist das Product sehr zart und sehr zerbrechlich; es zieht sich aber unter dem Einfluß der feuchten Luft immer mehr zusammen und bleibt dabei durchsichtig. Bei 5–6 Grammen Aether sind zwei bis drei Monate erforderlich, bis die Substanz nicht mehr an Gewicht verliert und ihre Molecular-Bewegung beendigt ist.

Die Substanz, welche man auf diese Art erhält, ist hart; sie rizt das Glas schwach; sie besizt viel Cohäsion; hinsichtlich des Glanzes, Bruches und der Durchsichtigkeit ist sie mit dem klarsten Bergkrystall zu vergleichen; ihre Dichtigkeit ist 1,77. Sie ist ein Kieselerde-Hydrat, welches die Formel (SiO)2HO hat.

Damit das Product während seiner Zusammenziehung (welche so lange stattfindet bis seine Zusammensezung der angegebenen Formel entspricht) keine Spalten bekommt, ist es unumgänglich nöthig die feuchte Luft nur durch eine sehr kleine Oeffnung zutreten zu lassen. Während der ganzen Operation verbreitet das Gefäß, welches den Kieselerde-Aether enthält, einen alkoholartigen Geruch, welcher noch lange nach dem Erstarren fortdauert — ein Beweis, daß sich nur ein Theil der organischen Substanz von der Kieselerde trennte, als die Erstarrung statt fand. Die Zusammenziehung erfolgt um so langsamer, je schwieriger sich die feuchte Luft im Apparat erneuern kann und diese Langsamkeit scheint zum Gelingen der Operation durchaus nöthig zu seyn.

Nach vorläufigen Versuchen von Hrn. Biot zeigt dieses Kieselerde-Hydrat oder dieser künstliche Bergkrystall leine Spur von Rotationsvermögen oder doppelter Refraction; es ist daher wahrscheinlich, daß man ihn für optische Instrumente wird benuzen können.