Text-Bild-Ansicht Band 85

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würde ebenfalls wegfallen können, weil man mit Dampfkutschen schneller bei Tage fortrükt. Nur die Communal- und Feldwege in ihrem schlechten Zustande müßten Pferde beibehalten. Daß die Chausséen von den Pferdefüßen und Rädern der gewöhnlichen Fuhrwerke so sehr verdorben werden, ist bekannt. Der Gebrauch von Dampfkutschen mit breiten Radfelgen würde die Folge haben, daß die Chausséen weniger kostspielige Reparaturen erforderten.

Es fragt sich jezt bloß, wie sich die Ausgaben für die Beschaffung, den Betrieb und die Reparaturen der Dampffuhrwerke zu den Ausgaben für gewöhnliches Fuhrwerk verhalten. Eine Dampfkutsche kostet jezt in England zwischen 700 und 800 Pfd. St. oder circa 9000 fl.; der Betrieb für ein Jahr würde für jede 10 deutsche Meilen 500 Pfd. St. kosten = 6000 fl. Eine Locomotive kostet jährlich eben so viel an Reparaturen, als sie anfänglich kostete, wenn sie eine bedeutende Meilenzahl zurükzulegen hat, z.B. 6000 deutsche Meilen. Da Dampfkutschen höchstens 3000 deutsche Meilen jährlich zu laufen verpflichtet seyn würden, so müßte man jährlich für jede 4375 fl. als Reparaturen veranschlagen, inclusive der Zinsen von 9000 fl., oder eine solche Kutsche würde jährlich 10,500 fl. kosten, oder für jede deutsche Meile zurükgelegten Weges 3 1/2 fl. Für 24 Personen, à 18 kr. per Meile, würde 7 1/5 fl. seyn, so daß 50 Proc. Einkommen übrig bliebe, von welchen das Anlagekapital amortisirt und die Dividenden bezogen werden müssen, nebst Abgaben an die Staatsbehörden, als Entschädigung für Posten etc. Die Bequemlichkeit für Reisende und den Verkehr würde aber viel größer seyn, als bei dem jezigen Postwesen und den Privatfuhrleuten, die den größten Aufwand von Geduld und Ertragung von Leiden erfordern. Wir überlassen es Posthaltern und anderen Fuhrleuten zu berechnen, ob sie im Stande sind, eine solche Dividende bei Pferden, Wagen und Postillons, Futter etc. erlangen zu können. Außerdem mögen sie betrachten, ob sie jemals im Stande seyn werden, den Verkehr in Verbindung mit stark benuzten Eisenbahnen zu befriedigen.

Die hier aufgestellten Säze sind nicht meine eigenen Erfahrungen, sie sind mir viel mehr von den Herren Dampfkutschenbesizern und den mit denselben befreundeten Directoren mitgetheilt worden. Diese glauben außerdem, daß das Fehlschlagen der früheren Versuche mit Dampfwagen darin lag, daß man von einer Kutsche zu viel verlangte, gerade so, als wenn man eine 160 engl. Meilen lange Eisenbahn mit einer einzigen Locomotive befahren wollte, statt daß man mehr als 120 derselben für eine solche Bahn in England hat, oder fast für jede Meile eine. Es ist außerdem ein großes Unglük für alle neuen Dinge in England und anderswo, daß den Erfindern große Hindernisse in den Weg gelegt werden, so daß die erste Ausführung gewöhnlich zehnmal mehr kostet, als sie kosten müßte. Auf diese Weise haben alle, die bis jezt Dampfkutschen erbauten, mit Ausnahme der HHrn. Squire, ihr Vermögen eingebüßt oder doch bedeutende Summen verloren. Die Ingenieurs erster Classe unternehmen keine Neuerungen, die nicht von ihnen selbst ausgehen, die ehrlichen Leute niederen Ranges dieses Standes sind wenig vorhanden und werden auf jede Weise zu unterdrüken gesucht.“

Vorkommen von Jod in käuflichem Bromkalium.

In mehreren im Handel gekauften Mustern von Bromkalium entdekte Hr. Lassaigne eine sehr kleine Menge Jodnatrium und zwar durch die empfindliche Reaction des Amylons auf das freie Jod. Sezt man der zu prüfenden Bromkaliumlösung ein paar Tropfen einer schwachen Chlorlösung zu, so wird die Flüssigkeit sogleich gelb gefärbt; taucht man nun ein gestärktes weißes Papier hinein, so wird dieses violett oder schwach indigblau gefärbt, je nach der Menge des durch die ersten Chlorantheile frei gewordenen Jods. Ist genug Chlorlösung hinzugesezt worden, um alles Bromkalium zu zersezen, so färbt sich das Amylonpapier nicht sogleich, weil dann das Jod in der Flüssigkeit sich als Bromid befindet und nicht auf das Amylon wirkt, aber es tritt die merkwürdige Erscheinung ein, daß wenn man das Papier aus der Flüssigkeit nimmt und der Luft aussezt, der benezte Theil desselben in einer oder zwei Minuten röthlich wird und dann durch Violett in Blau übergeht. Dieselbe Reaction tritt ein, wenn man das Papier in der Flüssigkeit maceriren läßt; jedoch erst nach längerer Zeit.