Text-Bild-Ansicht Band 85

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die Anwendung der abdestillirten Trester als wohlfeiles Futter für Rindvieh und Schafe. Seit mehreren Jahren wendet er sie mit gutem Erfolge zur Mast der Ochsen an; doch räth er, die Kämme auszulesen, welche beim Wiederkauen durch Stekenbleiben im Schlunde der Verdauung hinderlich seyn können, indem sie aufstoßen und bisweilen Verstopfungen bewirken. Hr. Henry nimmt nur die in der Destillirblase oben liegenden Trestern beim Ausleeren derselben; sie enthalten noch etwas geistige Bestandtheile, was der Ernährung und Transspiration der Thiere zuträglich zu seyn scheint und sie fett macht.

Tägliche Nation für einen Ochsen:

Weintrester 12 Kilogr.
Gekochte Kartoffeln 5 –
Treber (aus der Bräuerei), klein zerstoßene
Gerste oder Roggen, oder Preßkuchen

5 –
Kleines Stroh oder besser Heublumen 4 –
Heu oder Grummet 4 –
––––––––
Zusammen 30 Kilogr.

Hr. Henry erhielt mittelst dieses Futters Ochsen von 375 bis 400 Kilogr., welche 45 bis 50 Kilogr. Unschlitt gaben und zwar in etwa 4 bis 4 1/2 Monaten vom November angefangen. Die Kühe gaben mehr und bessere Milch. (Echo du monde savant. 11. Aug. 1842.)

Künstliche Wiesen, nach Mathieu v. Dombasle.

Hr. Mathieu v. Dombasle bemerkt Folgendes über den Anbau des Klees, der Luzerne und der Wike. Man schneide diese Gewächse zur Zeit, wo der größte Theil ihrer Blüthen aufgegangen ist. Früher würde man weniger erhalten und es wäre das Troknen schwieriger; später würden die Stengel hart werden und das Futter an Güte verlieren. – Sind die Wiken zum Futter für Pferde bestimmt, so kann man warten, bis die Schoten sich gebildet haben, wenn die Pflanze nicht umliegt, weil sie sonst von Unten der Fäulniß ausgesezt ist. – Bei der Luzerne kann nach einer Trokne, sobald man die untern Blätter des Stengels abfallen sieht, das Schneiden nicht umgangen werden, wenn sie auch erst zu blühen anfangen sollte. Würde man zuwarten, so würde die Pflanze wieder am Fuße treiben, statt in die Höhe zu wachsen, und man bekäme ein aus harten Stengeln und zarten Trieben gemengtes Futter. – Das Blatt ist der kräftigste Theil dieser verschiedenen Pflanzen; um es einzuthun, muß man das gemähte Futter ein oder zwei Tage lang schwadenweise liegen lassen. Man bringt es dann einen oder zwei, bei schönem Wetter wohl auch drei Tage in kleine Haufen. Würden die Haufen durch einen starken Regen platt geschlagen, so wendet man sie unter möglichster Auflokerung, damit die Luft sie durchdringen kann, um. Sobald diese Haufen troken sind, bringt man deren mehrere, sie einzeln zwischen den Armen tragend, zusammen, um sorgfältig 6 Fuß hohe Kegel davon zu bilden, die man nicht preßt und sehr spizig hält. Wenn diese Kegel fertig sind, kann der stärkste Plazregen sie nicht beschädigen und das Futter troknet gleichförmig aus, ohne bis zum Aufladen mehr umgewendet werden zu brauchen. Durch dieses Verfahren, welches wenig Taglohn kostet, verliert man nur sehr wenig Blätter und erhält ein herrliches Futter.

Bei dem in Deutschland üblichen Klapmayer'schen Verfahren reichen drei Tage zum Mähen, Troknen und Einthun des Klees hin. Man bringt das Kraut am Morgen nach dem Mähen in große, 9 Fuß breite, möglichst hohe Haufen, die stark und gleichförmig eingetreten werden. In ein paar Stunden schon beginnt die Gährung, deren schnelles Fortschreiten beobachtet wird. Wenn man vor Hize die Hand nicht mehr im Futter halten kann, oder aus einem absichtlich hineingestoßenen Loch Dampf entweichen sieht, so ist die Zeit da, den Haufen auseinander zu nehmen und das Heu auszubreiten, welches dann, wenn gutes Wetter ist, in ein paar Stunden völlig austroknet und sogleich eingeführt werden kann. – Dieses Verfahren, welches kostspieliger ist als das französische, gibt dem Heu einen zukerigen Geschmak und einen dem Vieh angenehmen Honiggeruch. (Echo du monde savant, 28. Jul. 1842.)