Text-Bild-Ansicht Band 87

Bild:
<< vorherige Seite

wenn er zu warm würde, könnte sich der anfangs in Pulverform absezende Calomel krystallinisch zusammenhäufen.

Nichts ist hiebei leichter, als die Leitung des Feuers; man erhizt zuerst die Röhre an der dem Recipient zunächst liegenden Stelle bis zur dunkeln Rothglühhize und verbreitet allmählich das Feuer nach der ganzen Länge der Röhre, 1 1/2 bis 2 Stunden sind hinreichend zur vollkommenen Verflüchtigung von 4 bis 5 Kilogr. versüßten Queksilbers.

Hält man die Operation für beendigt, so läßt man den Apparat erkalten, nimmt den Kitt ab und wäscht den Calomel so lange mit destillirtem Wasser aus, bis das Waschwasser von Schwefelwasserstoff nicht mehr gefärbt wird. Er wird nun bei gelinder Wärme getroknet.

Dieß ist das sehr einfache Verfahren, bei welchem ich stehen blieb; ich wurde versichert, daß es gerade dasselbe sey, welches die englischen Fabrikanten geheim halten. Jedenfalls hält der so zertheilte Calomel den Vergleich mit dem schönsten englischen aus; unsere Industrie hat hiemit eine große Requisition gemacht. Ich beschäftige mich mit der Anwendung dieses Verfahrens der Zertheilung auf andere flüchtige Mineralsubstanzen; der Proceß bietet nach meiner bisherigen Erfahrung nur bei denjenigen von ihnen Schwierigkeiten dar, welche, wie das Operment und der Zinnober, durch Berührung mit der Luft in hoher Temperatur eine Veränderung erleiden.

Beschreibung des Apparates Fig. 53.

P irdener Ofen; die vordere Wand ist bei P erhöht.

G, G beweglicher Rost, aus drei Theilen bestehend; man hebt ihn weg, damit das Feuer herunterfällt, wenn die Operation beendigt ist.

g, g Rost für die den obern Theil der Röhre erhizende Kohle.

c Oeffnung des Aschenraums. Sie ist sehr groß, damit die Roststüke und die Kohlen am Ende der Operation leicht herausgenommen werden können.

T Röhre, welche das versüßte Queksilber enthält.

S Widerlage, welche das Ende der Röhre unterstüzt. F Recipient.

C Dekel des Recipienten.

p obere Oeffnung des Recipienten, mit einer Glasplatte bedekt.

d, d' Zwischenwände von Eisenblech, welche die Röhre umfassen und den Recipienten gegen die directe Ofenhize schüzen.