Text-Bild-Ansicht Band 88

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so bildet sich von den Seiten aus sogleich wieder neue Torfmasse, und die Oeffnung wächst zulezt wieder zu. Es sind aber immer Jahrhunderte vonnöthen, bis sich ein auch nur einigermaßen bedeutendes Torffeld wieder ersezt.

Morasttorf erfüllt oft ungeheure Streken in den weiten Flußbassins der Niederungen, so wie auch auf den Platformen der Gebirge, und ist z.B. für die Holländer von eben so großer Bedeutung, als die Steinkohlen für die Engländer.

Die größten Torfmoore befinden sich in Irland. Die Moore überhaupt nehmen da einen Raum von 2,330,000 englischen Morgen = 2,749,400 bayerischen Jucharten Landes ein, das ist mehr als ein Sechstheil des ganzen Landes. Sie bilden einen Gürtel beinahe durch die Mitte des Landes, der bei der Hauptstadt Dublin am schmalsten ist, sich aber immer mehr und mehr erweitert, je näher er dem atlantischen Ocean kommt. Die Physiognomie dieser Moore ist eben so eigenthümlich und abweichend von allen anderen Europa's. Wenn die Moore anderswo gewöhnlich und natürlich Ebenen bilden, so steigen diese Moore in Irland sehr oft zu beträchtlichen Hügeln an.2) Die Grasmoore werden zu Weiden benuzt; Dörfer und andere Besizungen stehen auf Torf- und Grasmoorboden, der selbst oft in ungeheurer Dike auf einer Wasserfläche schwimmt, die von den häufigen einfallenden Regengüssen der Gebirge im Winter angeschwellt, von Zeit zu Zeit die Moorflächen hebt und ungeheure Streken mit allen darauf stehenden Gebäuden langsam von den Bergen gegen die Meeresküsten hinschiebt. Es sind gemäß amtlichen Beobachtungen und Vermessungen einige solcher wandelnden Dörfer bekannt und verzeichnet.

Die ungeheure Menge der sich überall vorfindenden Torfmoore hat schon sehr oft, vorzüglich bei den speculativen Engländern, Versuche veranlaßt, die schlimmen Eigenschaften des Torfes zu verbessern, nämlich seine zu leichte und zu schnelle flammende Verbrennlichkeit, die ein zu oftes und deßhalb lästiges Nachschüren unerläßlich macht; dann ferner die leichte Zerreiblichkeit des Materials und seiner Kohlen selbst. Die ausgedehntesten Versuche dieser Art hat ein gewisser M. Williams, verwaltender Director der Dubliner Dampfschifffahrts-Compagnie

2)

So ist z.B. der höchste Punkt des Boyne Moores 336 Fuß über der Meeresfläche erhaben, sein tiefster nur 218. Seine größte Tiefe beträgt 40 Fuß, seine geringste gegen 22. Die Unterlage ist gewöhnlich Thon, auf welchem oft Kalkgerölle liegt, und die Flüßchen, die aus diesen Moorhügeln entspringen, haben sich nicht selten durch die Torfmasse hindurch auf diese Unterlage von Kalkgeröllen und Thon gewühlt, Thäler bildend, welche natürliche Abtheilungen in den ungeheuern Mooren bilden, und die einfachsten Mittel an die Hand geben, diese Moore troken zu legen.