Text-Bild-Ansicht Band 88

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glauben. Und theils aus dieser Ueberzeugung, theils um überhaupt die ihm nöthig dünkende Reform der jungen Glasmalerei in Frankreich nicht allein auf deklamatorischem, sondern auch dem viel überzeugenderen und wirksameren Wege der Praxis in eigner Person zu beginnen, eröffnet er so eben in seiner Behausung, Montmartre, empasse constantine 8, einen auf obige Principien basirten Lehrcursus unserer Kunst, zu dem er alle Liebhaber derselben ladet. Er legitimirt sich hiezu durch eine mehr denn 25jährige Praxis, und durch den Vorhalt einer Reihe von Schöpfungen, welche er im Geiste der nach ihren Grundzügen oben auseinander gesezten und allein zulässigen Disciplin der Glasmalerei seit geraumer Zeit zu Tage gefördert. Die Einladung ist mit der Versicherung gewürzt, daß nach seiner Anweisung der ganze Apparat zur Glasmalerei, einschlüssig des Schmelzofens, dem Dilettanten nicht über 150 Fr. zu stehen komme, und seinen Farbenrecepten so wie seiner Einrichtungs- und Behandlungsweise des Ofens nur das von Vater auf Sohn vererbte Geheimniß einiger alten holländischen Glasmaler zu Grunde liege.

Wer wäre nun nicht neugierig danach? Und so mag es sich rechtfertigen, daß dem deutschen Publicum hiemit geboten werde, was Hr. Meunier bisher beliebte, über seine Farben und seinen Ofen zu veröffentlichen. Den Farbenrecepten ist nur noch voranzusezen, daß sie hier in der etwas sonderbaren, aber ursprünglichen Ordnung des Gewährmannes mitgetheilt sind.

I. Farbrecepte.

1. Hell Goldgelb.

16 Gramme Silber von ausgebrannter Borte werden mit ein wenig Spießglanz in einem Schmelztiegel geglüht und, sobald die Mischung sich röthet, mit einer Messerspize gepulverten Borax versezt. Wenn das Ganze geschmolzen, wird es auf eine Porphyrplatte ausgegossen, damit es calcinire, dann in einem metallenen Mörser möglichst fein gestoßen und auf gläserner Palette mit einem dergleichen Laufer zerrieben. Hierauf schlemmt man Thon, läßt ihn, wenn er von allen fremdartigen Bestandtheilen gereinigt, sich einige Stunden niederschlagen, gießt das Wasser davon, troknet ihn vollkommen ein, und glüht ihn in einem Schmelztiegel. 205 Gramme von diesem Thon mit 16 Grammen nach obiger Vorschrift calcinirten und feingeriebenen Silbers werden sorgfältigst in Wasser gemischt, lezteres, sobald sich die Mischung niedergeschlagen, abgegossen und diese in gelinder Wärme getroknet.