Text-Bild-Ansicht Band 88

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Ist der Ofen so weit fertig, so fügt man aus Dachziegeln und Thon auf dem Tragroste eine Muffel zusammen, 4 Zoll schmäler und kürzer als der Ofen selbst, und mit einem Loche versehen, welches mit der Oeffnung zum Ausziehen der Proben correspondirt.

Behufs des Schmelzbrands aber glüht man lebendigen, wohl durchgesiebten Kalk mehrmals in einem Töpferofen, trägt ihn dann einen schrägen Finger dik in die Muffel ein, ebnet ihn, legt eine Lage alter Gläser ein, dann wieder eine Lage Kalk, und so fort, bis wechselweise drei Lagen Kalk und zwei Lagen Glas einander deken. Auf die dritte Lage Kalk ordnet man die gemalten Gläser über einander, und zwar dergestalt, daß zwischen die einzelnen Stüke immer wieder eine halbfingersdike und vollkommen ebene Schichte Kalk zu liegen kommt. Sind die gemalten Gläser sämmtlich eingetragen, so werden sie in selbiger Art, wie bei ihrer Unterlage geschah, mit wechselweisen Schichten von Kalk und Glas bedekt, bis die Muffel vollkommen gefüllt ist. Die oberste jedoch kann nur eine Kalkschichte seyn.

Um nun später die Fortschritte des Schmelzbrandes beurtheilen zu können, stekt man durch die Probenöffnung in das Loch der Muffel einige Streifen gemalten Glases.

Zum Schlüsse läßt man zwei gewölbte Eisenstangen über den Mauern des Ofens sich kreuzen, und bedacht diesen mit Ziegeln, wobei jedoch etwa vier Löcher von der Größe eines Thalers offen bleiben müssen, verkleidet alles sonstige sorgfältig mit Thon, so daß außer den eben genannten und dem Schürloch keine Abzugslöcher offen bleiben, und gibt auch der Probenöffnung einen, jedoch praktikabeln Verschluß.

Ist Alles in solcher Weise vollendet, so fängt man an mit glühenden und todten Schmiedekohlen zu heizen, aber lediglich auf dem Wege des Schürlochs und nicht etwa der oberen Oeffnung. Nach etwa 2 Stunden heftigen Feuers heizt man mit trokenem Holze – immer nur zunächst des Schürlochs – etwa noch 1 1/2 Stunde, bis die erste Stange des Tragrostes roth glüht. Hierauf rükt man mit der Feuerung vor bis zur zweiten Eisenstange, jedoch nicht weiter, und fährt fort, das Feuer wohl zu unterhalten. Glüht auch die zweite roth, so rüke man endlich mit der Feuerung bis an die Hinterwand des Ofens, und dirigire sie solcher Weise, daß die Flamme an den vier Seiten der Muffel empor, über ihr zusammen und etwa 1 Zoll hoch aus den Dachöffnungen hinausschlage.

Sobald die drei Stangen roth glühen, nimmt man einige der Proben aus der hiezu bestimmten Oeffnung, um sich zu überzeugen, ob die Farben eingeschmolzen und ob namentlich das Gelb anfange