Text-Bild-Ansicht Band 104

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In dieses Bad können, wie auch in das von unterschwefligsaurem Natron, gleichzeitig so viele Bilder gebracht werden als man will.

Bilder, welche die Einwirkung des unterschwefligsauren Salzes nicht wenigstens zwei Stunden lang vertragen können, sind als untauglich zu verwerfen. Es wäre dieß ein Beweis, daß sie nicht lange genug dem Lichte ausgesetzt waren, und sie würden nicht gehörig fixirt werden.

So complicirt auch die so eben beschriebenen Zubereitungen erscheinen mögen, so außerordentlich einfach wird man sie bei der Arbeit selbst finden und im Vergleich mit den Zubereitungen der Daguerre'schen Platten wird man über ihre Einfachheit staunen.

Der Vortheil, das Papier zu den negativen Bildern im voraus bereiten zu können, auf Reisen zu photographischen Zwecken, indem man dadurch eines beschwerlichen Gepäckes überhoben ist und die zum Poliren der Platten, welches nicht im voraus geschehen kann, erforderliche Zeit und Arbeit erspart wird, ferner der Umstand daß man die positiven Bilder nach der Rückkunft von einer Reise erzeugen und in beliebiger Menge vervielfältigen kann, werden nicht wenig zur Vervollkommnung und Verbreitung dieses Zweiges der Photographie beitragen, welcher auch die Aufmerksamkeit der Künstler in Anspruch nimmt, indem die Resultate desselben nicht, wie bei den Metallplatten, außer ihrer Mitwirkung liegen, sondern von ihnen nach ihrem Gutdünken modificirt werden können.

Diese drei Eigenschaften also, die Leichtigkeit der Ausführung, die Sicherheit, mit welcher sie geschieht, und die mögliche bedeutende Vervielfältigung der Bilder, versprechen diesem photographischen Verfahren eine große Verbreitung, indem es nicht nur dem Reisenden getreue Bilder liefert zur Erinnerung an die angenehmen Eindrücke, welche er genoß, sondern auch den Gelehrten genaue Zeichnungen von Maschinen, anatomischen und naturhistorischen Gegenständen, den Archäologen und Künstlern solche von den großen Werken der alten und mittelalterlichen Kunst, deren seltene Abbildungen sich nur wenige verschaffen können.8)

8)

Wenn das hier beschriebene Verfahren von der Zubereitung des Talbot'schen Kalotyppapiers und seiner photogenischen Kalotypzeichnungen auch verschieden ist, so können wir die Bemerkung doch nicht unterdrücken, daß die chemischen Zuthaten, wie das Silbernitrat, das Jodkalium, die Essig- und Gallussäure, so wie auch die Erzeugung zuerst eines negativen, und dann von diesem eines positiven Bildes, Hrn. Talbot angehören, dessen Name von dem Verfasser gar nicht genannt wird. Man vergleiche über diese Art von Photographie polytechn. Journal Bd. LXXXI. S. 356 und 360, Bd. XCII. S. 44 und 367, Bd. CII. S. 227. – x.