Text-Bild-Ansicht Band 104

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Abtheilung zunehmenden Luftdruck würde dann das vorher bis zum äußern Niveau hinaufreichende Wasser zurückgetrieben, der Felsen beinahe trocken gelegt worden seyn und die Arbeiter wären hinuntergestiegen. Außerdem empfahl Coulomb für gewisse Fälle eine Luftschleuße anzuwenden, um die Communication von innen nach außen und umgekehrt nach Belieben herstellen zu können.

Dieses Projekt hatte keine andere Folge als die Veröffentlichung und Gutheißung der franz. Akademie im J. 1779 und war ohne Zweifel nur der erste Anflug einer glücklichen Idee.

Hr. de la Gournerie machte bedeutende Verbesserungen an diesem Verfahren; er bediente sich der Dampfkraft, um die Luft einzupumpen und das Wasser nach Belieben auszuschöpfen, und construirte auf diese Weise einen Apparat, welcher seit Julius 1846 ununterbrochen in Gebrauch war.

Der sehr gut ventilirte und vom Tageslicht durch Fenster erhellte Luftraum kann 17 Arbeiter aufnehmen, wovon 16 sich mit dem Bohren von Minenlöchern oder 6 sich mit der Spitzhaue beschäftigen. Die Arbeit kann nöthigenfalls Nachts mit Lampen verrichtet werden. Einige Minuten sind hinreichend, um das Luftschiff wieder in Gang zu bringen oder flott zu machen, damit den Schiffen der Durchgang gestattet ist.

Außer der bedeutenden Erleichterung, welche diese Vorrichtung in der schnellen Ausführung der Arbeiten gewährte, hatte sie auch eine große Ersparniß zur Folge, denn der Kubikmeter ausgezogenen Felsens, welcher früher auf 206 Fr. kam, kostet nur noch 28 bis 29 Fr. Zu Cherbourg meldete sich zum Herausnehmen eines Felsens unter gleichen, vielleicht noch bessern Umständen, kein Unternehmer zu dem angebotenen Preis von 200 Fr.

Der fragliche Apparat wurde nur zum Arbeiten in einer Tiefe von 2,25 Metern unter dem Wasserspiegel construirt; allein es versteht sich, daß er größern Tiefen entsprechend gebaut werden könnte, und man wird auch einsehen wie nützlich er wäre, um ohne Kästen oder Vorschläge im Flußbett Grund zu legen und zu bauen. (Moniteur industriel, 1847 Nr. 1107.)

Marcellange's gesunde Ausstopfung der Kummete und anderen Geschirrs für Pferde.

Die gewöhnliche Ausstopfung des Geschirrs für Pferde etc. ist eher geeignet Wunden hervorzubringen als sie zu verhüten. Man benutzt dazu Flockwolle, Füllhaare von Kühen und Pferden etc., welche zwischen Leder und Leinwand gebracht werden. Es sind dieß aber lauter Wärmeleiter, welche, wenn sie mit der Haut des Thiers in Berührung kommen, dieselbe erhitzen, sobald Reibung beginnt. Das Leder, ein fetter, vom Schweiß des Thiers nicht durchdringlicher Körper, verliert letztere Eigenschaft bald, indem die in die Füllung eingeführte Wärme es ausdehnt und seine Poren dem Schweiße des Thieres öffnet; das Füllhaar wird von Feuchtigkeit imprägnirt, legt sich übereinander, statt seine Form beizubehalten und wird sehr bald hart, so daß sich die Wärme im Innern der Füllung noch mehr anhäufen kann; das Leder wird am Ende hornartig und verbrennt; das Thier wird an dem ermüdetsten Theil erhitzt, verliert sein Haar und wird wund. Vergebens bemühte man sich bisher diesen Uebelständen abzuhelfen. Hrn. v. Marcellange gelang es, den nachtheiligen Einfluß des thierischen Schweißes auf die Füllung zu beseitigen.

Der Leinsame schien ihm geeignet sich des Schweißes zu bemächtigen und durch seine Verbindung mit demselben einen Schleim zu bilden, welcher die in Folge der Reibung entstehende Entzündung zu verhüten vermag; zugleich ist es ein fetter, die Wärme schlecht leitender Körper, leicht und schwachem Druck nachgebend. Nur noch ein Uebelstand war vorhanden; wenn nämlich dieser Same seine chemische Reaction auf den Schweiß ausgeübt hat, so geht er in Gährung und das Leder oder Leinentuch, welches ihn umgibt, in Fäulniß über. Diesem wird durch eine dem Leinsamen zugesetzte Fettmischung begegnet,33) welche außerdem noch den Leinsamen gegen den

33)

Deren Zusammensetzung der Erfinder nicht angibt.