Text-Bild-Ansicht Band 104

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Dinkel, beim Mutterkorn im Roggen etc. bereits nachgewiesen ist, und was man bei uns gewöhnlich Mehlthau nennt. Da die Keime (Sporen) solcher Pilze außerordentlich klein sind, oft von weniger als 0,01 Linie Durchmesser, so begreift man, daß sie sich lange in der Atmosphäre schwebend erhalten und vom Winde in die größten Entfernungen fortgetragen werden können; bei ihrer außerordentlichen Vermehrung (eine einzelne Flocke des Mehlthaues enthält Tausende von Keimkörnern) kann man sich nicht wundern, daß ganze Felder und Länder fast gleichzeitig von ihnen angefallen werden. Wenn ein solches Keimkorn vom Wind getrieben an einer Pflanze hängen blieb, welche seiner Entwickelung zusagt, so bohrt es sich durch die Oberhaut in die weichen Theile der Pflanze ein, wächst im Innern in ein zartes Gewebe aus und kann so von einem Punkt aus nach und nach die ganze Säftemasse im Kraut und in den Knollen krankhaft verändern.

Welches sind nun die Mittel gegen die so schwere Seuche? Es versteht sich, daß die Auswahl der geeigneten Bodenarten, Lagen und Culturmethoden, die Anwendung ganz gesunder Saatknollen und Legung derselben im unzerschnittenen Zustande, kurz die Anwendung aller Mittel, wodurch man möglichst gesunde Kartoffeln erzielt, nicht vernachlässigt werden darf. Aber die Richtigkeit obiger Annahme von der eigentlichen Ursache des Nebels vorausgesetzt, schützen alle jene Vorschriften, welche der beste Kartoffelbauer geben könnte, nicht vor der Seuche. Gegen diesen kleinen unscheinbaren Schimmelpilz kann man nur zu Felde ziehen, wo er sich in concreto zeigt. Findet der Landwirth den Mehlthau bald nachdem er sich auf der Pflanzung niedergelassen hat, so dürften die befallenen Theile des Krautes behutsam abzuschneiden seyn; man müßte dabei Sorge tragen, daß die abgeschnittenen Theile nicht offen liegen bleiben, welche man am besten unter Feldwegen, die nicht aufgeackert werden, vergraben wird. Hat sich aber der Schimmel auf dem Kraute längere Zeit eingenistet, und etwa seine Einwirkung bereits durch bräunliche Flecken beurkundet, so wird von dieser Seite nichts mehr zu thun seyn. Dagegen ist der Pilz um so sorgfältiger auf den eingeernteten Knollen aufzusuchen und hier zu vertilgen. Augenscheinlich verdorbene, trocken- oder naßfaule Kartoffeln sollten ebenfalls nicht auf die Düngerstätte geworfen werden, sondern vergraben, die gesunden sollten fleißig sortirt, die für künftige Aussaat geeigneten sogleich ausgewählt, und in einer besondern, von dem allgemeinen Aufbewahrungsorte getrennten Localität überwintert werden. Vor allem aber räth der Verf. diesen Theil der Ernte einer ähnlichen Beize zu unterwerfen, wie man sie für das brandige Getreide anwendet, durch welche die Keimkörner oder das Pilzgewebe des Mehlthaues sich augenblicklich zusammenrunzeln und absterben. Es dürfte hinreichend seyn, die Knollen, welche gelegt werden sollen (in einer am Boden mit Abziehloch versehenen Kufe) mit einer dünnen, aus gebranntem Kalk bereiteten Kalkmilch zu übergießen. Nachdem die Kalkmilch einige Minuten über den Knollen gestanden, müssen diese trocken gelegt und erst dann in den Aufbewahrungsort gebracht werden Die Operation ist im Herbst und nicht im Frühjahr vorzunehmen. Ueberdieß räth der Verf. an, von der Art des Anbaues der Kartoffel abzugehen, gemäß welcher sie in ununterbrochenen Reihen auf ausgedehnte Flurstriche gepflanzt werden; er schlägt vor, auf einem und demselben Acker einzelne Kartoffelbeete mit andern wechseln zu lassen, welche mit Getreide bestellt werden. Die Verbreitung des Mehlthaues durch Wind und Regen wird, sobald das Getreide zu schossen angefangen hat, immerhin beschränkt werden und die Kartoffelpflanze wird wenigstens annäherungsweise in ein Ortsverhältniß zurückversetzt, welches ihrem Naturell als einzeln wachsende Pflanze entspricht.