Text-Bild-Ansicht Band 103

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abzugewinnen. Schon seit langer Zeit lieferten thierische Substanzen den von den Landwirthen geschätztesten Dünger; doch wurde bis zu den ersten Jahren dieses Jahrhunderts ihre Anwendung vor ihrer Umwandlung in Humus (Dammerde) durch langes Faulen als schädlich betrachtet. Dieß war aber ein Irrthum; die Fäulniß bewirkt das Entweichen des größten Theils der stickstoffhaltigen Substanzen in die Luft, welche also für den Boden verloren gingen. In einer Versammlung der Société royale et centrale d'Agriculture im Jahr 1825 wurde nachgewiesen, daß die fäulnißfähigsten thierischen Ueberreste ohne Aufschub und ohne Verlust als Dünger gebraucht werden können, wenn man nur ihre Zersetzung langsam vor sich gehen läßt. Es war dieß ein erster Schritt. Payen und Boussingault lieferten bald neue Thatsachen zur Lösung dieser landwirthschaftlichen Frage. Man fand, daß die Organe der jungen Pflanzen, jene Theile, worin sich eine große Thätigkeit der Entwickelung zeigt, der aufsteigende Saft, dieses Blut der Pflanzen, welches eine stickstoffreiche Elementarzusammensetzung hat, des Stickstoffs zu ihrem Wachsthum nothwendig bedürfen; auch wurde nachgewiesen, daß die den Boden verbessernden Pflanzen viel Stickstoff aus der Luft absorbiren und das Feld, welches mit ihnen bebaut wird, bloß durch Abtretung eines Theils dieses absorbirten Stickstoffs fruchtbar machen. Die Frage hellt sich also von allen Seiten auf, sowohl durch die Praxis, als durch die Theorie. Die bis dahin unbeachtet gelassenen thierischen Körper wurden nun eifrig verlangt, das Blut der Schlachthäuser wurde Gegenstand der Handelsspeculation, und eine Gesellschaft acquirirte von dem Syndicus der Metzger zu Paris alles Blut der Schlachthäuser, um Dünger daraus zu bereiten.

Gleich Anfangs wurde dieser Industriezweig ganz besonders und streng beaufsichtigt; das in Bezug auf Unschädlichkeit für die Gesundheit noch mangelhafte Fabricationsverfahren veranlaßte häufig Rügen von Seite der Behörden; sehr oft mußte der Platz gewechselt werden, welcher dem Etablissement auch gegenwärtig noch nicht von einem Tag zum andern sicher ist.

Die Quantität des Bluts in den Pariser Schlachthäusern kann mit Bestimmtheit nicht wohl angegeben werden, beträgt aber sicherlich im Monat 150,000 Liter. Nachdem die Thiere geschlachtet sind, wird ihr Blut sorgfältig aufgesammelt und vor seinem Erkalten stark in Bewegung gesetzt. Dieses Schlagen hat den Zweck, das Fibrin (den Faserstoff) des Bluts auszuscheiden und so dessen weiteres Gerinnen zu verhindern. Das flüssige Blut, welches leichter in Dünger umzuwandeln ist, kann außerdem auch zu andern Zwecken verwendet werden;