Text-Bild-Ansicht Band 103

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5) Im Fall ein solches Schiff in See ginge ohne mit einer solchen Pumpe versehen zu seyn, ohne daß sein unterer Raum in wasserdichte Verschläge abgetheilt ist, oder ohne mit der vorgeschriebenen Anzahl kleiner Fahrzeuge versehen zu seyn, so wird der Eigenthümer dieses Schiffes oder wer immer demselben zur Direction vorgesetzt ist, zu einer Geldstrafe verurtheilt, welche 100 Pfd. St. nicht übersteigen darf.

Derselben Strafe unterliegt der Capitän, wenn durch seinen Fehler oder seine Nachlässigkeit das Schiff während der Reise unbrauchbar wird und er sich weigert, sobald als möglich die nothwendigen Reparaturen daran zu machen.

Die Geldstrafe wird auf 50 Pfd. St. reducirt, wenn sich das Unglück erwiesenermaßen durch Zufall und trotz der Umsicht des Capitäns ereignete.

6) Kein Marine-Officier darf irgend eine Reise unternehmen, ohne sich vorher überzeugt zu haben, daß das seiner Leitung anvertraute Schiff mit allen oben angegebenen Gegenständen versehen ist.

7) Wenn ein Dampfschiff im Meer einem andern Schiffe begegnet, muß es sich hinreichend davon entfernen, um jeden Zusammenstoß zu vermeiden. Dieselbe Vorsicht ist auf den in das Meer einmündenden Flüssen und Canälen zu beobachten. Im Falle der Vernachlässigung trifft den Capitän eine Strafe von 50 Pfd. St.

8) Jedes Jahr vor dem 30. April und 31. October hat jeder Eigner eines Dampfschiffes den Lords-Commissarien des geheimen Handelsraths folgende zwei Nachweise einzureichen:

1) ein von dem Marine-Ingenieur ausgestelltes, die gute Construction des Schiffes constatirendes Zeugniß;

2) ein von einem Ingenieur ausgestelltes, den guten Zustand der Dampfmaschine und des Treibapparats bestätigendes Zeugniß.

Duplicate dieser Nachweise, mit der Gutheißung der Lords Commissäre, werden dem Eigenthümer des Schiffes zugestellt.

9) Wenn ein Schiff mit Passagieren in die See geht, ohne daß der Capitän den Lords-Commissärs obenerwähnte Zeugnisse zustellte, oder ohne daß er ein mit ihrer Gutheißung versehenes Duplicat derselben vorweisen kann, so verfällt derselbe in eine Strafe von 100 Pfd. St.

10) Wenn ein Schiff zur See irgend einen Unglücksfall veranlaßt oder erfährt, welcher das Leben der Passagiere oder der Schiffsmannschaft gefährden kann, wie einen Schaden am Schiffsrumpf oder an der Maschine, was ein Stranden zur Folge hatte, oder wenn es mit einem andern Schiff zusammengestoßen ist, so hat der Capitän sogleich den Lords-Commissären einen genauen und detaillirten Bericht über dieses Unglück und dessen wahrscheinliche Ursachen zu erstatten. Dieser Bericht hat den Namen des Schiffs, den Hafen, welchem es angehört, und den Ort, wo es sich befindet, anzugeben, damit die Commissäre die erforderlichen Erkundigungen einziehen können Im Falle es sich zeigt, daß das Schiff außer Stand ist den nächsten Hafen zu erreichen, oder daß es ganz verloren ist, hat der Capitän die Commissäre davon in Kenntniß zu setzen. Wenn er es unterläßt, diesen Bericht bald nach dem Unglücksfall einzusenden, verfällt er in eine Geldstrafe von 50 Pfd. St.

11) Wenn ein Dampfschiff einen schweren Unfall erlitten hat, welcher den Tod eines Passagiers oder eines Mannes vom Schiffsvolk zur Folge hatte, oder wenn es entweder in seinem Rumpfe oder in seiner Maschine durch Strandung oder durch Zusammenstoßen mit einem andern Schiff einen wesentlichen Schaden genommen hat, welcher von großem Einfluß auf seine Erhaltung auf der See seyn kann, so ordnen die Lords-Commissäre einen Inspector oder sonst eine competente Person ab, um ohne Verzug eine Untersuchung über die Ursachen des Unfalls anzustellen, ohne daß jedoch das Schiff dadurch aufgehalten werden darf, wenn es im Stande ist seine Reise fortzusetzen.

12) Keine der obigen Bestimmungen ist auf die unter die Controle der königlichen Marine gestellten Kriegsschiffe anwendbar. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Nov. 1846, S. 616.)