Text-Bild-Ansicht Band 202

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patentirte Verfahren besteht nach einer Mittheilung von Delesse 10) darin, daß man auf der durchbrochenen Sohle eines Ofens Aetzkalk zum Glühen bringt, während unterhalb dieser Sohle bei möglichst geschlossenen Zügen Schwefel in eisernen Töpfen brennt, so daß die Verbrennungsgase des Schwefels durch den glühenden Kalk ziehen. Das Product ist von licht-ledergelber Farbe, erhärtet gemahlen und mit Wasser angemacht langsam aber stark; es wird angeblich in England in großem Maaßstab, namentlich im Militärbauwesen unter dem Namen Scott'scher Cement“ angewendet. An sich hydraulische Kalksteine sollen einen noch besseren Cement liefern, als gewöhnliche sich fett löschende Kalksteine.

Bei Gelegenheit der Londoner Industrie-Ausstellung vom Jahr 1862 untersuchte Herv´r Mangon 11) eine nach Frankreich mitgebrachte Probe von Scott'schem Cement. Er fand darin neben Kalk als vorwiegendem Bestandtheil (63,7 Proc.), viel Kieselerde (10,4 Proc.), Thonerde und Eisenoxyd (4,9 Proc), dann nahe 2 Proc. Schwefel, wovon die Hälfte als Schwefelwasserstoff durch Säuren entwickelbar, die Hälfte als fertig gebildete Schwefelsäure vorhanden. Mangon bemerkt weiterhin, daß die eigentlich wirksame Verbindung des Scott'schen Cementes das Ergebniß „der Einwirkung von Wärme auf schweflige Säure bei Gegenwart von Kalk“ sey und ebenso gut erhalten werde durch Glühen von Gemengen aus schwefligsaurem Kalk mit Aetzkalk. Die Beweise dafür hat der Verf. noch nicht gebracht, auch „die Aufstellung einer begründeten Theorie“ der Bildung dieses Cementes auf seine Beobachtungen hin noch nicht gewagt. Dazu erscheinen sie in der That, besonders aber die oberflächliche Analyse einer noch dazu sehr thonhaltigen und darum zu weiteren Schlußfolgerungen nicht geeigneten Probe, nicht angethan. Es blieb also noch wahr, was schon Delesse über den Scott'schen Cement gesagt, hat, daß „seine Theorie zur Zeit noch sehr unklar ist.“

Die nachstehende Untersuchung ist zur Aufklärung des Vorganges bei der Bildung dieses Cementes, sowie zum Verständniß der Grundlagen und Bedingungen seiner hydraulischen Eigenschaften unternommen.

Die Darstellung des Scott'schen Cementes gelingt ebenso leicht im Kleinen als Laboratoriumsversuch, wie im Großen. Seine hydraulische Eigenschaft soll nach allen Angaben schon an die bloßen Kalkverbindungen geknüpft und von thonigen oder kieseligen Gemengtheilen ganz unabhängig seyn. Man wählte daher als Ausgangspunkt einen völlig reinen kohlensäurefreien gebrannten Kalk aus Carraramarmor, der sich

10)

Dieses Journal, 1863, Bd. CLXX S. 212.

11)

Dieses Journal, 1865, Bd. CLXXV S. 292.