Text-Bild-Ansicht Band 202

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wie oben, brachte das Rohr auf die Rothglühhitze und ließ dann einen starken Strom von schwefliger Säure durchgehen. Der gebrannte Kalk am vorderen und hinteren Ende zeigte sofort die Glüherscheinung wie gewöhnlich, der schwefligsaure Kalk dagegen in der Mitte nicht. Auch bei diesem trat die Erscheinung alsbald ein, aber erst als man den Strom von schwefliger Säure abstellte und das in dem Rohr befindliche Gas durch Luft verdrängte.

Wenn somit die Aufnahme von schwefliger Säure durch Aetzkalk bei Hitzegraden unter der Rothgluth, sowie die Zersetzung des schwefligsauren Kalkes in der Rothgluth unter Hinterlassung eines hydraulischen Rückstandes erwiesen ist, so erübrigt noch die Untersuchung über die Art der Zersetzung selbst. Zunächst erhellt aus der Vergleichung der beiden zuletzt vorhergegangenen Analysen, daß die beiden Producte der Zersetzung des schwefligsauren Kalkes – das bei niederer (B) und das bei hoher Temperatur (A) – entsprechen:

B 46,4 Proc. Kalk bei einem gesammten Gehalt an Schwefel von 26,7 Proc.
A 64,7 Proc. „ „ „ „ „ „ „ „ 12,1 Proc.

Auf 100 Gew. Th. Kalk sind in (B) 57,5, in (A) nur noch 18,6 Gew. Th. Schwefel enthalten, folglich 38,8 Gew. Th. verloren gegangen.

Es fragt sich, in welcher Gestalt. Um dieß zu erfahren, bog man ein an einer Seite zugeschmolzenes Rohr aus strengflüssigem Glas winkelrecht um, brachte in den waagrechten Schenkel schwefligsauren Kalk, und setzte den offenen senkrechten Schenkel in Kalilauge als Sperrflüssigkeit. Man erhitzte nun die das Kalksalz enthaltende Stelle anfangs langsam bis die Verglimmung eintrat; die Kalilauge hatte so gut wie nichts aufgenommen; als man dagegen jene Stelle stark mit der Flamme des Leuchtgasgebläses erhitzte, gingen Blasen durch die Lauge welche sich mit knatterndem Geräusche verdichteten, die Lauge begann alsbald trotz des heftigen Feuers zu steigen, die heißesten Stellen des Rohres bauchten sich stark ein, während die Kalkmasse darin zu sintern begann und sich von den Wänden abzuziehen. In der Kalilauge fand sich viel schweflige Säure, neben Schwefelsäure in geringer Menge.

2) Einfachere Darstellung aus Gyps und Kalk.

Insofern der Gehalt des Scott'schen Cementes an Schwefelcalcium von mehr als 14 Proc. auf beinahe 2 Proc. sinken kann ohne Beeinträchtigung seiner Erhärtungsfähigkeit, insofern im Gegentheil die (sey es durch Behandlung von Aetzkalk mit schwefliger Säure, sey es durch Glühen von schwefligsaurem Kalk) erhaltenen Präparate um so hydraulischer waren, je mehr das Schwefelcalcium zurücktrat, – erschien das letztere als ein