Text-Bild-Ansicht Band 202

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für diese Eigenschaft unwesentlicher Gemengtheil. In der That verhielten sich Gemenge von 1 At. Schwefelcalcium (durch Reduction von Gyps erhalten) mit 2 At. Kalk, ebenso mit 3 At. Kalk, nach vorhergegangenem Glühen nicht im Geringsten hydraulisch. Dieß war jedoch schon sehr merklich der Fall, als man dem Gemenge gebrannten schwefelsauren Kalk zusetzte; es war in hohem Grade der Fall, als man das Schwefelcalcium gänzlich unterdrückte und lediglich Aetzkalk mit gebranntem schwefelsaurem Kalk zusammenschmolz. Das von Scott angegebene Verfahren zur Darstellung von Cement ist demnach nur ein weiter und kostspieliger Umweg, indem dasselbe Product weit einfacher und billiger durch Glühen von Gyps und Kalk erhalten wird.

Bei der Herstellung von hydraulischen Massen auf diesem einfachen Wege machten sich gleich von vornherein folgende entscheidende Erfahrungen geltend: 1) Wie schon die Analysen des Cementes nach Scott's Darstellung an die Hand gegeben haben, ist die hydraulische Beschaffenheit an kein festes Verhältniß von Gyps und Kalk gebunden; ein Gemenge von 2 At. gebranntem schwefelsaurem Kalk mit 1 At. gebranntem Kalk, aber auch mit 2 At., mit 3 At., selbst mit 4 At. und sogar mit 6 At. gebranntem Kalk, verhielten sich alle hydraulisch; 2) die Gemenge der beiden Körper sind an sich nicht hydraulisch, sie erhalten diese Eigenschaft erst durch vorausgehendes Glühen; 3) die Hydraulicität der verschiedenen Gemenge ist in hohem Grade abhängig von der Temperatur welcher sie beim Glühen ausgesetzt werden. Folgende sind die experimentellen Belege zu diesen Sätzen.

Gemenge innerhalb obiger Atomverhältnisse von gebranntem Kalk und schwefelsaurem Kalk, innigst zusammengerieben, erhärteten mit Wasser nicht wie der Scott'sche Cement, gleichviel ob der schwefelsaure Kalk in gewässertem Zustand angewendet wurde, oder entwässert. Auch darin zeigte sich kein Unterschied, ob diese Entwässerung des schwefelsauren Kalkes in der Glühhitze oder ob sie nur bei niederer Temperatur (wie bei Modellirgyps) vor sich gegangen. In dem letzteren Falle ließ sich das Gemenge gießen wie gewöhnlicher Gyps, um so schlechter je mehr Kalk es enthielt, aber es nahm keine nennenswerte Härte an. – Um den Einfluß der Glühtemperatur festzustellen, bediente man sich eines Gemenges welches sich bis dahin als das günstigere erwiesen hatte, nämlich von 2 At. schwefelsaurem Kalk mit 3 At. gebranntem Kalk (Marmor). Im tragbaren Windofen mit aufgesetztem Dom bei Kohksfeuer eine Stunde lang geglüht, ergab das Gemenge eine hydraulische Masse, die sich mit Wasser angemacht fühlbar erwärmte, aber ohne sich zu löschen. Ebenso behandelte Proben mit weniger Kalk (1 At. und 2 At.) zeigten