Text-Bild-Ansicht Band 202

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sich gar nicht hydraulisch, mit mehr Kalk (4 At. und 6 At.) noch ziemlich hydraulisch; letztere löschten sich jedoch wie magerer Kalk. Als man diese Gemische in einem feststehenden Schmelzofen mit 40 Fuß hohem Zugkamin bei Kohksfeuer und bei beginnender Weißgluth erhitzte, verloren sie sämmtlich die Eigenschaft, sich beim Anmachen mit Wasser zu erwärmen oder zu löschen. Während bei dem schwächeren Feuer sich nur einige der Gemenge, nämlich die mit mittlerem Kalkgehalt hydraulisch erwiesen, so thaten dieß nunmehr bei dem strengeren Feuer alle; während die beim schwächeren Feuer hydraulisch gewordenen Gemische an Härte dem Cement nach der Darstellung von Scott nicht gleich kamen, so hatten sie ihn nunmehr bei dem strengeren Feuer eher noch übertroffen. Zur genaueren Feststellung des Einflusses der Glühhitze setzte man eine größere Menge der Mischung von 2 At. schwefelsaurem Kalk mit 3 At. gebranntem Kalk in das strengere Feuer ein und zog, nachdem der Inhalt glühend geworden war, von halber Stunde zu halber Stunde eine Probe. Die erste Probe, welche noch keine wesentliche Veränderung zeigte, erhitzte sich noch beim Anmachen mit Wasser, die folgenden nicht mehr. Diese zeigten eine allmählich zunehmende Sinterung, mit der sich die hydraulische Eigenschaft in gleichem Schritt entwickelte. Der zuletzt im Tiegel gebliebene Rest, welcher am längsten im Feuer gewesen und dem höchsten Hitzegrad (Anfang der Weißgluth, höher als der Schmelzpunkt des Roheisens) ausgehalten hatte, war teigartig erweicht, so daß er Eindrücke mit der Zange annahm, nach dem Erkalten gelblich-grau, durch und durch krystallinisch und schwerer zu zerreibender erhärtete am besten.23)

Die richtige Temperatur zur Darstellung hydraulischer Massen aus Kalk und Gyps ist daher die Glühhitze von den obersten Lagen der Rothgluth aufwärts, bei welcher die Massen mehr oder weniger stark sinternd, nach dem Erkalten krystallinisch erscheinen. Je höher der Kalkgehalt ist, um so höher muß die Glühtemperatur steigen.

Die nächste zu erörternde Frage war die, ob von den verschiedenen Gemischen von Gyps mit zunehmendem Kalkgehalt, welche sämmtlich hydraulisch und im gesinterten Zustande äußerlich gar nicht von einander zu unterscheiden sind, eines den Vorzug verdient. Um diese Frage zu entscheiden, stellte man eine Reihe von Mischungen aus 100 Grm. gewöhnlichem (gebranntem) Modellirgyps mit folgenden Mengen Kalk dar:

23)

Das Glühen der Gemische geschah in hessischen Tiegeln, welche von dem Kalk bei der hohen Temperatur stark angegriffen (oft durchlöchert) werden. Zunächst an der verglasten Wand ist eine weiße Schichte des Cementes, welche schon Tiegelsubstanz, namentlich Thonerde enthält und deßhalb schwächer hydraulisch ist. Diese Schichte wurde bei Versuchen, bei denen es darauf ankam, stets ausgehalten.