Text-Bild-Ansicht Band 202

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Pulverung gegen den gebrannten, bezw. gelöschten Kalk wiederum zurücksteht.

3) Die Erhärtung und ihre Bedingungen.

Wenn man gewöhnlichen gebrannten Gyps mit Wasser zu Brei anmacht, so bildet dieser bekanntlich nach einigen Minuten unter mäßiger Entwickelung von Wärme eine zusammenhängende Masse, einen Gypsguß. In Wasser gelegt erlangt ein solcher Guß keine größere Härte, er erweicht und zergeht vielmehr allmählich. Sehr anders verhält sich der Cement aus Gyps und Kalk: nach dem Zerreiben mit Wasser zu Brei angemacht, zeigt der richtig gemischte und richtig gebrannte Cement keinerlei fühlbare Wärmeentwickelung, meist nach einigen Stunden noch keine Veränderung, keinen Zusammenhang; erst nach einem halben Tag oder über Nacht beginnt er langsam abzubinden und läßt sich aus der Form oder Papierkapsel herausnehmen. Der so entstehende Kuchen ist zwar schon sehr zusammenhängend, etwa wie gewöhnlicher Gypsguß, aber noch weich, leicht mit dem Messer zu schneiden und ritzbar mit dem Fingernagel. Legt man einen solchen Kuchen in ein Gefäß unter Wasser, so ändert er sich im Ansehen nicht, aber seine Härte nimmt mehr und mehr zu und erreicht zuletzt, wenn auch nicht die des Portlandcementes, doch vollauf die Härte eines mittleren hydraulischen Kalkes. Wenn die geglühte Masse vorschriftsmäßig, weder zu grob noch zu fein zerrieben wird, so nimmt sie beim Erhärten nicht oder unerheblich zu, und bildet einen völlig dichten, homogenen, äußerst feinkörnigen, politurfähigen Stein von einem sehr ansprechenden warmen Farbeton zwischen Grau und Gelb. Von glatten Flächen wie Glas kommt die Oberfläche des Cementes glatt und polirt. Am härtesten und schönsten wird der Cement, wenn man ihn nach dem Anziehen nicht unter Wasser legt, sondern nur feucht mit Wasser vollgesaugt erhält, auf eine feuchte Unterlage legt und von oben bedeckt. Je nach den Umständen, voll denen weiter unten die Rede ist, erreicht der Cement seine höchste Härte schon nach 3 Tagen, meist erst nach 14 Tagen bis 3 Wochen. Noch länger im Wasser erhalten, fängt die Oberfläche an zu einer schleimig anzufühlenden Schichte aufzuweichen, was von der Löslichkeit des Cementes in Wasser herrührt. Zuweilen fangen Cemente an, nachdem sie schon eine beträchtliche Härte erreicht haben, zu quellen, sich mächtig auszudehnen und wieder rückwärts in eine leichtzerreibliche Masse zu verwandeln, wovon ebenfalls später Näheres.

Während der Erhärtung erleidet der Cement jederzeit eine starke Zunahme des Gewichtes in Folge chemischer Bindung von Wasser, mit