Text-Bild-Ansicht Band 202

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Mineralsäure, die Eisenoxydlösung fügt, so verschwindet zuerst das Blau wieder, dann wird die Flüssigkeit bleibend blau und klar, hernach trübe, aber immer noch als blaue Lösung erscheinend, bis plötzlich die Erscheinung des Gerinnens auftritt, d.h. die Flüssigkeit sich scheidet in eine klare farblose Lösung und einen blauen flockigen Niederschlag, veranlaßt durch einen halben Tropfen der Eisenlösung. In der klaren Lösung ist weder Eisenoxyd noch Ferrocyan nachweisbar. Der Versuch wird am besten in einer Porzellanschale ausgeführt. Nebenbei gesagt, läßt dieses Verhalten auf vier Umsatzverhältnisse zwischen Ferrocyanwasserstoff und Eisenoxyd schließen. Vorläufig ließ sich ohne nähere Untersuchung diese interessante Reaction zur Controlle der Färbeflotten benutzen. Als Maaßstab diente eine 0,2 procentige Lösung von Blutlaugensalz. Es wurden beispielsweise verbraucht auf 10 Kubikcentimeter der Blutlaugensalzlösung: 1) 8,2 K. C.; 2) 8,1 K. C.; 3) 8,1 K. C. einer salpetersauren Eisenoxydlösung; ferner auf 10 K. C. Flotte I: 1) 8 K. C.; 2) 7,7 K. C.; 3) 7,4 K. C.; 4) 7,4 K. C.; Flotte II: 1) 8,9 K. C.; 2) 8,9 K. C.; Flotte III: 7,4 und 7,4 K. C. Es ist nicht zu bezweifeln, daß für die drei Flotten die Werthe 2 × 7,4/8,1 = 1,827; 2 × 8,9/8,1 = 2,197 und 2 × 7,4/8,1 = 1,827 Grm. Blutlaugensalz im Liter gelten.

Zur Feststellung des quantitativen Verhältnisses dieser Reaction und ihrer Brauchbarkeit zur Bestimmung des Ferrocyans und Eisens, wurden Lösungen von bekanntem Gehalt hergestellt aus durch Umkrystallisiren völlig rein erhaltenem Ferrocyankalium und aus schwefelsaurem Eisenoxydul-Ammoniak. Letzteres wurde durch Salpetersäure oxydirt. Von beiden Salzen wurde 1/10 Gramm-Aequivalent, also 2,11 Grm. vom ersteren und 1,96 vom letzteren zu 500 K. C. gelöst. Der Versuch ergab: 1) 10 K. C. Ferrocyanlösung erforderten 13,3 K. C. Eisenlösung; 2) 20 K. C. erforderten 25,8; 3) 25 K. C. 32,5; 4) 25 K. C. 32,3; 5) 25 K. C. 32,3 K. C. Nach 4 und 5 verhalten sich die Aequivalente des Ferrocyans zu denen des Eisens wie 25: 32,3 oder wie 3: 3,876. Hieraus kann man den Schluß ziehen, daß auf 3 Aeq. Ferrocyan 4 Aeq. Eisen oder 2 Aeq. Eisenoxyd kommen. Der auffallende Minderverbrauch an Eisen, dem zugesetzten Reagens, läßt vermuthen, entweder daß der Niederschlag kaliumhaltig sey, oder daß eines der Salze von den angenommenen Formeln abweiche im Wassergehalt. Der Ueberschuß an Salpetersäure in der Eisenlösung ließ mit Ersteres weniger wahrscheinlich erscheinen. Die Salze von verschiedener Krystallisation verhielten sich gleich. Nimmt man ein Aequivalent Wasser mehr an im Ferrocyankalium oder eines