Text-Bild-Ansicht Band 203

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Am 3. Januar, Morgens, wo die Temperatur – 18° C. war, war das Wasser noch nicht gefroren, denn die Stahlkugel bewegte sich mit voller Leichtigkeit.

Um 11 Uhr, bei – 10° C. Lufttemperatur, wurde die Kanone aufgeschraubt. Die Gefrierung trat sofort ein; wie beim ersten Versuch waren in der Achse des Eiscylinders einige Luftbläschen abgelagert. In einer Gußstahlkanone von hinlänglich dicker Wand, daß sie als unausdehnbar betrachtet werden kann, bewahrt also das bei + 4° C. hineingebrachte Wasser tagelang den flüssigen Zustand bei sehr niederen Temperaturen. Wenn aber durch Oeffnen der Kanone das Hinderniß entfernt wird, welches sich der Ausdehnung des erkalteten Wassers entgegensetzte, erfolgt sofort die Gefrierung.

XIV. Untersuchungen über die Bildung des Anilinroths; von Rosenstiehl.

Aus dem Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, 1871, t. XLI p. 217.

Als ich mich vor einigen Jahren mit Untersuchungen über die Bildung des Anilinroths13) beschäftigte, beobachtete ich mehrere Thatsachen, welche ich nicht veröffentlichte, weil damals noch ein dieselben verknüpfendes Band fehlte. Nun bin ich aber in Stand gesetzt, dieselben in rationeller Weise zu gruppiren, wodurch meine früheren Beobachtungen vervollständigt werden.

Man weiß jetzt, daß zur Bildung des Fuchsins drei Alkaloide sich eignen, nämlich das Anilin und die beiden Toluidine. Diese Alkaloide vermögen, zu je zweien vereinigt, rothe, in Bezug auf ihre physischen Eigenschaften einander identische, in chemischer Hinsicht aber bloß isomere Farbstoffe zu bilden.

Dagegen ist es bis jetzt nicht gelungen, eines dieser drei Alkaloide für sich allein angewandt und der gewöhnlichen Behandlung unterworfen, in „Anilinroth“ umzuwandeln. Dieß ist in Kürze der gegenwärtige Standpunkt unserer Kenntnisse über diesen Gegenstand.

Der letztere Satz wird jedoch durch meine neuen Beobachtungen modificirt. Allerdings kann das Anilin, für sich allein, ebenso wenig in

13)

Mitgetheilt im polytechn. Journal Bd. CLXXXIX S. 393, Bd. CXC S. 57, Bd. CXCI S. 483, Bd. CXCIII S. 315.