Text-Bild-Ansicht Band 204

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Graphische Darstellung der Textur des Schmiedeeisens.

Hr. van Ruth, welcher mehrere Jahre lang für die holländische Regierung als Inspector der Eisenlieferungen angestellt war, richtete von Zeit zu Zeit seine Aufmerksamkeit auf die Entdeckung einer Methode zur Untersuchung des Stabeisens auf seine sehnige Textur und zur Verzeichnung derselben behufs der Vergleichung. Nach mehrfachen Versuchen kam er auf ein sehr einfaches und wirksames Verfahren zu diesem Zwecke.

Ein Stück von dem Eisen dessen sehnige Textur untersucht werden soll, wird zunächst gehobelt, um eine Schnittfläche durch irgend einen gewünschten Punkt zu erhalten; diese Fläche wird so lange in Salzsäure getaucht, als zum Wegätzen des Glühspans erforderlich ist; die dazu nöthige Zeit schwankt zwischen sechs und vierundzwanzig Stunden, je nach der Stärke und Temperatur der sauren Flüssigkeit. Der Glühspan wird rascher angegriffen, als der „Nerv“ des Eisens; in Folge davon bleibt letzterer als Relief zurück, und es entsteht in dieser Weise eine radirte Platte, wovon man mittelst Druckerschwärze einen Abdruck machen kann, welcher jede Faser des Eisens in klarer und deutlicher Weise zeigt. Sollen behufs der Anfertigung von Schienen Packete gebildet und verschiedene Eisensorten nach bestimmten Richtungen ihres Fadens zusammengeschweißt werden, so bietet das Verfahren ein bequemes und rasch zum Ziele führendes Mittel zur Entdeckung jener Richtungen dar. Als Mittel zur Untersuchung der Veränderung der sehnigen Textur des Eisens in der Nähe von Schweißstellen ist das Verfahren vom größten Werthe. (Engineer.)

Das Färben der Zinnfolie (Darstellung von lackirtem Stanniol).

Ueber das sogen. Färben des Zinnes, d.h. die Darstellung von lackirtem Stanniol, welches von Conditoren, Confitürenhändlern etc. zur Umhüllung der Waaren vielfach verwendet wird, hat Ferd. Springmühl in Breslau Versuche angestellt, über welche er in der Musterzeitung, 1872 Nr. 19, berichtet.

Seine ersten Versuche gingen darauf hinaus, die gefärbten Harzlösungen (Anilinlacke) zum Färben des Zinnes zu benutzen, aber welche Harze auch angewendet wurden, so erhielt man doch kein den Anforderungen entsprechendes Resultat. Einerseits ist der Ueberzug nicht gleichmäßig genug, andererseits meist zu spröde, um dem Biegen und Falten des Zinnes zu widerstehen. Auf kleinen Flächen läßt sich jedoch mit Anilinlack in jeder Farbe ein prächtiger Ueberzug erzielen, welcher hinlänglich haltbar ist, wenn die Zinnfolie aufgeklebt und nicht zum Verpacken benutzt wird.

Die älteste und auch jetzt in den meisten Fällen noch angewendete Methode, um Zinnfolie zu färben, ist wohl die brauchbarste und mit einigen Modificationen die einfachste, hat jedoch den Nachtheil, daß der Ueberzug durch Wasser gelöst wird. Man benutzt wasserlösliche Substanzen, und zwar in früherer Zeit die Hausenblase; jetzt wäre jedenfalls die weiße im Handel vorkommende Gelatine der Hausenblase vorzuziehen. Die Operationen, sey es daß Hausenblase oder Gelatine angewendet wird, sind gleich und bestehen in Folgendem: Die zu färbende Zinnfolie wird auf einer ebenen Spiegelplatte durch Wasser befestigt, so daß alle Theile derselben eng an dem Glase haften; darauf wird sie mit einem Steine, Feuersteine oder dergl. sorgfältig geglättet und die gefärbte Gelatinelösung darauf gegossen, die Spiegelplatte nach allen Richtungen schwach geneigt, um eine gleichmäßige Verkeilung zu bewirken, und ziemlich schnell getrocknet. Die Gelatinelösung wird bereitet, indem man destillirtes Wasser mit einer nicht zu geringen Menge der wasserklaren Gelatine erhitzt, und den Farbstoff in Wasser gelöst, je nach der zu erzielenden Nüance zusetzt. Früher wurden nur die wässerigen Auszüge der Pflanzen- und Thierfarben zu diesem Zwecke benutzt, nicht minder eignen sich jedoch dazu die gesammten wasserlöslichen Anilinfarben; trotzdem hat Springmühl keine mit Anilin gefärbten Stanniole im Handel gefunden. Er wendete alle wasserlöslichen Anilinfarben an, und erhielt mit Gelatine ebenso wie mit Hausenblase ganz ausgezeichnete Resultate.

Versuche mit einigen im Wasser löslichen Harzen, namentlich Gummi arabicum, ergaben daß sowohl der Preis des fertigen Fabricates mit Gelatine sich billiger stellen mußte, als mit Gummi, als auch daß die Güte des ersteren, besonders die Haltbarkeit,