Text-Bild-Ansicht Band 204

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die des Gummiüberzuges übertraf. Collodium gibt einen überaus gleichmäßigen und ziemlich elastischen Ueberzug, der jedoch in vielen Fällen nicht sehr fest haftet, besonders wenn er zu dick ist und alsdann als dünne Haut abgehoben werden kann. Man muß daher möglichst verdünntes Collodium anwenden, die Verdünnung jedoch andererseits nicht so weit treiben, daß der Ueberzug nicht mehr zusammenhängend erscheint. Man erwärmt die Zinnfolie ein wenig, übergießt sie mit der gefärbten Collodiumlösung und läßt den Aether an der Luft verdunsten. In der Regel haftet jedoch das Collodium trotz der größten Vorsicht nicht vollkommen und es ist rathsam, zuerst mit ganz dünner Gelatine zu übergießen, dann nach dem Trocknen die Collodiumschicht darauf zu bringen und ohne Erwärmen die Lösungsmittel verdampfen zu lassen. Auch mit Gummi kann man grundiren, ohne durch dieses Verfahren besondere Vortheile zu haben. Will man der auf gefärbter Zinnfolie befestigten Farbe besondere Festigkeit geben, so kann man nachträglich mit farblosen alkoholischen Lacken firnissen, zu welchem Zwecke sich besonders bei der Anwendung von Collodium die photographischen Negativlacke eignen. Das Firnissen ist jedoch für gewöhnlich überflüssig, da es der Farbe etwas von ihrem Feuer und Glanze nimmt. Mehrere andere Versuche, welche Springmühl zum Färben der Zinnfolie anstellte, gaben gänzlich ungünstige Resultate.

Ueber die Anthraflavinsäure; von Brandt.

Bisher schrieb man allgemein die gelbliche Nüance des Roths, welches man mit gewissen im Handel vorkommenden künstlichen Alizarinen erhält, der Gegenwart einer gelben Substanz zu, welche vom Anthracen herrührt und die man Anthraflavinsäure benannt hat.

Um die Eigenschaften dieser Substanz kennen zu lernen, verschaffte ich mir eine Quantität Anthraflavinsäure von den HHrn. Gebrüder Gessert in Elberfeld.

Ich habe durch verschiedene Versuche constatirt, daß diese Anthraflavinsäure (Monooxyanthrachinon nach Liebermann, Anthraflavinsäure nach Schunck) gar kein Färbevermögen besitzt. Sie färbt nicht nur die Thonerde- und Eisenbeizen nicht, sondern macht auch den Alizarin-Thonerde-Lack gar nicht gelb. Im Gegentheil verleiht sie dem Roth einen bläulicheren Ton und macht die Nüance trüb.

Ich habe Zusätze von Anthraflavinsäure zum Roth, sowohl dem mit künstlichem Alizarin, als dem mit Meissonnier'schem Krappextract gefärbten Roth, versucht und gefunden, daß die so erhaltenen Nüancen weniger schön und weniger intensiv waren, und daß ihr Ton bläulicher war.

Es ist daher anzunehmen, daß der gelbliche Ton des im Handel vorkommenden „künstlichen Alizarins für Roth“ von einer Modification des Alizarins selbst herrührt. Diese Modification kann durch verschiedene Behandlungen erhalten werden, sie ist aber nicht der Anthraflavinsäure zuzuschreiben. (Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, t. XLII p. 46; Januar 1872.)

Nicholson- oder Alkaliblau auf Wolle.

Das Nicholson-Blau unterscheidet sich von allen anderen Anilinfarben dadurch, daß es nicht, wie Fuchsin, Anilinblau und Violett, das Salz einer an und für sich unlöslichen Basis ist, sondern daß gerade umgekehrt das Alkaliblau des Handels die in Wasser lösliche Basis darstellt, welche bei ihrer Vereinigung mit Säuren ein dunkel gefärbtes unlösliches Salz bildet. Diese Basis ist farblos oder nur schwach gefärbt. Man muß daher, um eine wirkliche Farbe zu erzielen, die schon auf der Faser fixirte Basis mit einer Säure verbinden, und dieß geschieht, indem man die schon einmal gefärbte Wolle durch ein angesäuertes Bad nimmt. Zum Behuf des Färbens stellt man sich für 10 Pfd. Wolle durch Kochen des Farbstoffes in reinem Wasser eine möglichst verdünnte Auflösung (Verdünnung der Lösung trägt zur Klarheit der Farbe bei) von 2 bis 3 Loth Alkaliblau dar. Man richtet sich ferner ein handwarmes Färbebad her, welchem man 3 bis 4 Loth Borax zusetzt. Der Borax wird hier nur seiner basischen Eigenschaften wegen angewendet und kann durch