Text-Bild-Ansicht Band 206

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Vernickelte Buchdrucklettern.

Verkupferte Lettern haben längere Dauer, als gewöhnliche Buchdruckertypen, weil das Kupfer die Reibung der Walzen und den Druck der Presse besser erträgt, als die gewöhnliche, viel weichere Legirung von Blei und Antimon. Die auf galvanischem Wege verkupferten Lettern haben jedoch den Fehler, daß sie mit gewöhnlicher Schwärze weniger schöne Drucke geben; auch kann man sie bei einer Anzahl von bunten Buckdruckerfarben, z.B. bei den mit Zinnober dargestellten, gar nicht benutzen, da dieselben einerseits durch das Kupfer entfärbt werden, andererseits das Kupfer selbst stark angreifen und es zerfressen. Nickel dagegen, wird durch Reibung und Druck viel weniger angegriffen, und die mit einer Schicht von diesem Metalle überzogenen Lettern können zum Drucken mit jeder beliebigen Farbe benutzt werden. Ein anderer Vorzug dieser Typen besteht in ihrer Härte, welche beinahe der des Stahles gleichkommt, so daß sie eine zehnfach längere Dauer haben, als gewöhnliche Lettern. – Ueberdieß kommt folgender Umstand in Betracht. Das aus einer Lösung galvanoplastisch niedergeschlagene Kupfer zeigt eine matte Oberfläche und hat das Bestreben zu krystallisiren; läßt man es sich in sehr dünnen Schichten ablagern, so ist seine Oberfläche rauh und uneben. Das Nickel hingegen schlägt sich in ebenen und glatt anzufühlenden Schickten nieder und in Folge davon werden die feinen Linien getreuer wiedergegeben, als durch das Kupfer. Die Vernickelung läßt sich beliebig schwach ausführen, und fällt dabei stets glatt aus. (Chronique de l'Industrie, September 1872, S. 254.)

Spiegel-Photographien; von Richard Jacobsen.

Vor einigen Jahren gelangten sogenannte Spiegel-Photographien in den Handel, welche derartig hergestellt waren, daß versilberte oder verplatinirte Glasspiegel auf der Metallseite statt des gewöhnlich darauf befindlichen undurchsichtigen Firniß- oder Lacküberzuges eine positive Photographie auf Collodium als Ueberzug (mit der Bildseite dem Metalle zugekehrt) trugen. Bei auffallendem Lichte wurde eine solche Spiegel-Photographie als Spiegel benutzt, bei durchfallendem Lichte trat die Photographie, freilich nur sehr schwach und undeutlich zum Vorschein.

Viel besser lassen sich diese Spiegel-Photographien nach folgender Methode darstellen: Man versilbert zunächst eine sauber gereinigte Glasplatte nach der Böttger-Bothe'schen Methode,15) jedoch nur so stark, daß das reducirte Silber goldig glänzend erscheint und man bei Durchsicht des Spiegels dahinter befindliche Gegenstände deutlich erkennen kann. Nachdem die versilberte Platte gut mit destillirtem Wasser abgespült wurde, bringt man sie in eine Schale mit reinem Wasser und legt ein entsprechend großes Stück Kohlepapier, welches zuvor in bekannter Weise chromirt und unter einem Negativ belichtet worden war, auf die versilberte Seite des Spiegels schnell auf, und entfernt beim Herausnehmen der Platte die etwa unter der Gelatinehaut befindlichen Luftbläschen durch Aufstreichen mit einem Gummistreicher. Das Kohlebild wird, wenn es auf dem Glase genügend trocken geworden, wie andere Kohlebilder mit warmem Wasser entwickelt und darnach in einer schwachen Lösung von Anilinroth oder Anilinviolett ausgefärbt. Die Bildseite der Spiegel-Photographie wird schließlich mit einem hellen Negativlack überzogen. Da von dem ursprünglichen Reinigen der Glasplatte die gleichmäßige und fleckenlose Bildung der Silberschicht abhängig ist, so thut man gut, die Glasplatte kurze Zeit in eine verdünnte Wasserglaslösung zu legen und sie dann mit einem reinen Lappen zu putzen.

Durch folgende Abänderung dieses Verfahrens lassen sich sehr schöne photographische Strich-Reproductionen in glänzendem Silber auf Glas übertragen, welche für decorative Zwecke vielleicht nicht ohne Werth seyn dürften: Man entwickelt wie oben mitgetheilt, auf der Silberseite des Spiegels ein positives Kohlebild und läßt es gut trocknen. Hierauf läßt man einen Strom von sehr feinem Sande auf die Silberseite fallen. Die freien, nicht von dem Kohlebilde bedeckten Silberstellen werden von dem Sande mechanisch fortgeätzt und erscheinen fein gravirt auf der Platte.

15)

Polytechn. Journal, 1864, Bd. CLXXIV S. 84.