Text-Bild-Ansicht Band 206

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nur bei reichen Gasen einen Sinn. Sauerstoff anzuwenden, da sonst der Vortheil an Leuchtkraft weitaus aufgewogen werde durch die Kostspieligkeit und Complicirtheit des Verfahrens. Für große Plätze, öffentliche Mittelpunkte und Festlichkeiten, wo es darauf ankomme, große Quantitäten Gas zu verbrennen ohne daß die Kosten in Betracht kommen, sey die Sauerstoffbeleuchtung sehr vortheilhaft anzuwenden; für die gewöhnliche Beleuchtung sey sie indeß zu kostspielig, ohne entsprechende Vortheile zu bieten. (Schilling's Journal für Gasbeleuchtung, 1872 S. 505.)

Neues flüssiges Feuer; von P. Guyot.

Behandelt man Brom mit überschüssigem Schwefel, so erhält man eine röthliche, ölige, an der Luft rauchende Flüssigkeit, welche dem Chlorschwefel sehr ähnelt und aus SBr besteht. Versetzt man dieses Product mit Ammoniak, so erfolgt im ersten Momente keine sichtbare Einwirkung; aber bald darauf wirft die Mischung Blasen, kocht auf, und es entweichen dicke weiße Dämpfe.

Die Lösung des Bromschwefels in Schwefelkohlenstoff gibt mit Ammoniak dieselbe Reaction. Setzt man aber zu einer solchen Lösung, statt Ammoniak, Phosphor, so erfolgt nicht nur eine sehr heftige Reaction, sondern diese ist auch mit Entflammung verbunden.

(Comptes rendus, 1871, t. LXXII p. 685; Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, 1872 S. 436.)

Darstellung von Kali oder Natron aus den Sulfaten derselben, nach Tessié du Mothay.

In einem Apparate, der einem Druck von 2 bis 20 Atmosphären widerstehen, und welchen man mittelst einer Kältemischung oder eines Carré'schen Apparates auf 0 bis – 20° C. abkühlen kann, läßt man während 12 Stunden caustischen Kalk auf schwefelsaures Kali oder Natron bei Gegenwart von Wasser einwirken. Man verwandelt auf diese Weise 75 bis 80 Proc. des Sulfates in caustisches Alkali. Man reinigt letzteres entweder durch Auskrystallisirenlassen des unzersetzten Salzes, oder indem man Baryt hinzusetzt. (Patentirt in Frankreich am 26 Juli 1871. – Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft zu Berlin, 1872, Nr. 14.)

Bestandtheile des Tabakrauches.

Eulenburg und Vohl kommen in einer längeren, im Archiv der Pharmacie Bd. CXLVII S. 131 veröffentlichten Abhandlung: „über die physiologische Wirkung des Tabaks als narkotisches Genußmittel, mit besonderer Berücksichtigung der Bestandtheile des Tabakrauches“ zu folgenden Schlüssen:

1) Der Tabakrauch enthält (wie schon Zeise fand) kein Nicotin, dagegen, außer Ammoniak, mehrere sauerstofffreie, als Producte der trockenen Destillation stickstoffhaltiger Körper bekannte Alkaloide, wie Pyridin, Picolin, Lutidin, Collidin etc., ferner Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Buttersäure, Baldriansäure, Carbolsäure und Kreosot.

2) Die bekannten unangenehmen Wirkungen des Tabaks auf angehende Raucher rühren mithin nicht vom Nicotin, sondern von den oben genannten Basen her.

(Vierteljahresschrift für praktische Pharmacie, 1872 S. 427.)

Verfahren zum Entfetten von Wolle etc., von Simonin und Coffin.

Um Wolle, Roßhaar, Häute, Pelzwerk, Federn etc. zu entfetten, benutzen die Genannten einen durch Destillation des Petroleums erhaltenen leichten Kohlenwasserstoff, wie Naphta, Benzin etc., und zwar lassen sie den Dampf desselben auf die