Text-Bild-Ansicht Band 206

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einer gegebenen Filtrirkohle beurtheilt werden muß. In der groben Fabrikpraxis ist man selten oder nie im Stande, die Mischung aus Pulver und Korn so zu treffen, daß sie dem hier aufgestellten Ideale gleiche, wie ein Ei dem anderen. Dort dürfen die Filtra unter keinen Umständen ein zu geringes durchlassendes Vermögen zeigen (denn das lähmt den Gang der ganzen Fabrik); im Gegentheil, sie müssen dasselbe immer im Ueberschuß besitzen, und es kommt in der Praxis nur darauf an, sich in diesem Punkte nicht allzusehr von dem Ideale zu entfernen, oder, was dasselbe sagt, stets mit dem kleinsten Ueberschusse an durchlassendem Vermögen zu filtriren. Wer mit dem kleinsten Ueberschusse filtrirt, filtrirt am rationellsten und billigsten.

Es ist nun außerordentlich leicht, sich in jedem gegebenen Falle rasch klar zu machen, ob man die richtige Kohlenmischung getroffen hat, oder ob sich in ihr zu viel Pulver oder zu viel Korn befinde. Man öffne den Rohspirituszuflußhahn des Anfangsfilters und den oberen Filtratsabflußhahn des Endfilters der Batterie vollkommen: liefert jetzt die Batterie das ihrer Kohlenladung angemessene Quantum Filtrat per Stunde, z.B. 120 Quart, so besitzen die Filtra die ideale, also zweckmäßigste Kohlenmischung; liefert sie weniger, so ist zu viel Pulver, liefert sie mehr, so ist zu viel Korn in der Mischung vorhanden, und je mehr man nun im letzteren Falle den Spirituszufluß mäßigen muß, um nicht statt 120 Quart 200, 300 u.s.w. Quart in der Stunde zu erhalten, desto mehr ist eine Entlockerung, eine Verdichtung, eine größere Zerkleinerung der Filtrirkohle angezeigt. Bei einer solchen Prüfung werden wohl sehr viele Raffineure finden, daß sie eine viel zu grobe Filtrirkohle im Gebrauche haben.

Reines Kohlenpulver kann, wie gesagt, in hohen Filtercylindern leider nicht als Filtrum angewandt werden. Ebenso erwies sich eine Mischung aus 1/2 Pulver und 1/2 Korn (das Korn in allen möglichen Ausdehnungen bis aufwärts zur Erbsengröße) als unbrauchbar. Das durchlassende Vermögen trat erst dann in genügendem Maaße auf, als der Pulvergehalt des Filtrums 30 Proc. nicht überstieg; das Korn hatte in diesem Falle alle möglichen Ausdehnungen bis aufwärts zur zweifachen Erbsengröße. Aus den Beobachtungen welche gemacht wurden, läßt sich folgender Erahrungssatz ziehen: um das Kohlenpulver für die Filtrirbatterien nutzbar zu machen, muß es mit mindestens mit 70 Proc. feinkörniger (bis zur zweifachen Erbsengröße aufwärts) Kohle aufgelockert werden.

Die gewöhnliche cannelirte Kohlenmühle lieferte auch bei der größten Annäherung der Walzen nie eine Mischung mit über 30 Proc. Pulver. Als man eine pulverreichere Kohle darstellen wollte, mußte man erst die cannelirten Walzen durch glatte ersetzen. Zu mahlende Kohlen,