Text-Bild-Ansicht Band 206

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deren größte Stücke Eigröße besaßen, lieferten bis zu 15 Proc. Pulver, noch gröbere Kohlen gaben im höchsten Falle bis zu 26 Proc. Daß man auf der gewöhnlichen Kohlenmühle eine zu pulverreiche Mischung erhalten könnte, ist also nicht zu befürchten.

Es gibt Spritfabriken, die ihre Filtrirkohle gesiebt und in einer Körnung welche zwischen doppelter Erbsen- und Wallnußgröße liegt, anwenden. Daß diese Siebung und Körnung durchaus zweckwidrig sey, geht aus Vorstehendem zur Genüge hervor.

Bei der Verwendung staubhaltiger, feinkörniger Filtrirkohle ist es nothwendig, den Siebboden im Filtrircylinder mit dicht gewebter kräftiger Leinwand doppelt zu überziehen und dann auf ihm zunächst eine 1 1/2 Fuß hohe Schicht von Hasel- bis wallnußgroßer, staubfreier Kohle festgedrückt aufzupacken, damit das Filtrat nicht von Kohlenpulver getrübt zum Vorschein komme; ebenso ist es erforderlich, beim Abtreiben des absorbirten Spiritus aus der wirkungslos gewordenen Kohlensäule mittelst directen Wasserdampfes nicht zu stürmisch zu verfahren, denn sonst reißt der Dampfstrom viele kleine Kohlenpartikelchen mit in den Kühler und verstopft ihn.

Stahlschmidt (Gährungschemie, S. 359) gibt an, daß man in der Praxis zur Entfuselung von 1000 Quart Spiritus 100 Pfd. Kohlen rechne. Er bemerkt aber nicht, in welchem Zerkleinerungszustande diese Kohle angewandt wird; vermuthlich grobkörnig und pulverfrei.

Aus dem mir vorliegenden, mit großer Sorgfalt bearbeiteten statistischen Material einer Fabrik, in welcher nahezu 1 1/2 Millionen Quart Spiritus jährlich zur Filtration gelangten, berechnet sich, daß durchschnittlich mit 100 Pfd. Kohle 1292 Quart Spiritus (à 80 Proc. berechnet) entfuselt wurden. Die Kohle war pulverfrei, die Größe des Kornes aufwärts bis zur Haselnußgröße. Das Filtrat war reinschmeckend und lieferte, nach sorgfältiger Destillation, einen tadellosen Sprit, welcher, mit dem nichtparfümirten Berliner verglichen, diesem völlig glich.

Eine andere Fabrik, welche Kohlenpulver, aufgelockert durch etwa 80 Proc. sehr feinkörnige Kohle, anwandte, filtrirte durchschnittlich mit 100 Pfd. Kohle 1668 Quart Spiritus (à 80 Proc. berechnet). Das Filtrat war merklich reiner im Geschmack und Geruch, als das obige; an dem daraus dargestellten Sprit ließ sich jedoch durch Geruch und Geschmack keine höhere Feinheit mehr erkennen.

In Schweden nehmen alle Gesellschaftsclassen an dem Branntweingenuß Theil. Die Betheiligung der gebildeten, wohlhabenden, hinsichtlich Speise und Trank verwöhnten Personen ist die Ursache, weßwegen in diesem Lande, und namentlich in seiner Residenzstadt, die Reinigung des