Text-Bild-Ansicht Band 206

Bild:
<< vorherige Seite

Branntweins von den Destillateuren mit einer außerordentlichen Sorgfalt betrieben wird. Der schwedische Trinkbranntein besitzt deßhalb eine ungewöhnliche Reinheit im Geruch und Geschmack; nirgends in Norddeutschland habe ich einen ähnlichen gekostet. – Das Reinigungsgeheimniß der Schweden besteht nun darin, daß sie sich des Kohlenpulvers (untermischt mit einer Kleinigkeit feiner Körner, welche beim Mahlen der völligen Zerquetschung entgangen sind) als Filtrum bedienen, den Rohspiritus nicht mit 60 Proc., sondern mit 47 bis 50 Proc. auf das Filter bringen und der Filtration Zeit gönnen. Sie wenden nicht unsere hohen Filtercylinder, sondern aufrecht stehende, niedrige Fässer (meistens Arrack-Legel) an, in welchen das Kohlenpulver eine 30–38 Zoll hohe Säule bildet. Mit einem solchen, etwa 300 Pfd. Kohle enthaltenden Filter sah ich in 24 Stunden durchschnittlich 68 1/2 Quart à 47–50 Proc. filtriren. Unter diesen Umständen reinigt ein Destillateur, wenn er hochfeine Waare erhalten will, mit 100 Pfd. Kohle mindestens 3000 Quart Spiritus (à 80 Proc. berechnet), also dreimal soviel, als Stahlschmidt angibt. Ich wiederhole, daß das Filtrat von vorzüglicher Güte ist.

Ein schwedischer Schriftsteller über Liqueurbereitung etc. gibt in seinem Buche an, daß 100 schwedische Kannen Rohbranntwein à 50 Proc. 4 1/2 schwed. Pfd. Kohlenpulver zur Entfuselung bedürfen. Darnach berechnet sich in deutschem Maaße und Gewichte ein Nutzeffect von: pro 100 Pfd. Kohle 3713 Quart Spiritus à 80 Proc.

Vergleicht man nun die obigen der Fabrikpraxis entnommenen Nutzeffecte mit dem Zerkleinerungszustande der Filtrirkohle, so gibt sich deutlich zu erkennen, daß der größere Nutzeffect der feineren Kohle angehört. – Ich bin mir hier sehr wohl bewußt, daß dieser Vergleich kein wissenschaftlich exacter, sondern ein roher ist, weil alle anderen, auf das Entfuselungsvermögen der Kohle Einfluß habenden Umstände, wie Dauer der Berührung zwischen Kohle und Spiritus, Reinheit und Stärke des Spiritus, das Verhältniß des Substanzvolums zum wahren Holzkohlenvolum u.s.w., hier gar nicht mitberücksichtigt sind. Der die Größe des Nutzeffectes am stärksten beeinflussende Factor ist und bleibt jedoch die Zerkleinerung der Kohle; die anderen Einflüsse weichen auch in den verschiedenen Fabriken wenig von einander ab: deßwegen ist der Vergleich zulässig, der, wie gesagt, ein roher ist und hier zu keinem anderen Zwecke angestellt wurde, als um allgemein zu zeigen, was von der Kohlenwirkung gewonnen und was von ihr verloren werden kann.

Nimmt man den Nutzeffect: pro 100 Pfd. Kohle 3000 Quart Spiritus, als den höchsten welcher in der Praxis überhaupt zu erzielen