Text-Bild-Ansicht Band 206

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aufsaugen können. In einer später zu beschreibenden Versuchsreihe werden wir sehen, daß 1 Kf. Holzkohle nicht 0,824 Kf., sondern noch etwas mehr, nämlich 0,9166 Kf. Spiritus aufnahm. Unsere obigen Rechnungsgrundlagen zeigen also eine erfreuliche Richtigkeit.

Diese Anschauung macht es uns begreiflich, wie es möglich ist, daß die Holzkohle so riesige Mengen von Wasserdampf, Luft, Spiritus etc. absorbirt.

Wenn frisch ausgeglühte, also wasserfreie Holzkohle mehrere Monate an der Luft gelegen hat, so zeigt sie durchschnittlich 10 Proc. Wassergehalt. Dieses Wasser stammt natürlich aus der Luft, in welcher es als Dampf von der Lufttemperatur enthalten war. Berechnet man aus jenem Wassergehalte, wie viel Volumina Dampf absorbirt werden mußten, um 10 Proc. Wasser zu geben, so ergibt sich, daß 1 Vol. wasserfreie Kohle an 3113 Vol. Wasserdampf (von 10° C.) aus der Luft absorbirte.

Die Größe des Absorptionsvermögens der Kohle für die Atmosphärilien überhaupt zeigt sich auch sehr hübsch in der Thatsache, daß die frisch ausgeglühte Kohle sich beim feinen Zerreiben sehr häufig entzündet. Bekanntlich muß Kohle mindestens bis zur Rothglühhitze erwärmt werden, ehe sie sich entzündet. In diesem Falle also ist die absorbirte Gasmenge so außerordentlich groß, daß die durch die Verdichtung derselben freiwerdende Wärmemenge hinreicht, um die Kohle bis mindestens zur Rothgluth zu erhitzen und damit die Oxydation oder Verbrennung in Gang zu bringen.

Ein cylindrisches Filter besaß einen Kohlenraum von 186,33 Kubikfuß. Nachdem derselbe mit Filtrirkohle vollkommen angefüllt worden war, ließ man Spiritus von durchschnittlich 50 Proc. Stärke hineinfließen und zwar so lange, bis das Niveau des letzteren nicht mehr sank, das Zeichen der Sättigung der Kohle. Im Durchschnitt von fünf Versuchen wurden zu diesem Zwecke 177,94 Kf. Spiritus verbraucht.

Es befanden sich also in einem und demselben, 186,33 Kf. großen Raum: 186,33 Kf. (scheinbares Volum) Kohle und 177,94 Kf. Spiritus.

Hieraus berechnet sich zunächst, daß das Volum der Substanz der Holzkohle 186,33 – 177,94 = 8,39 Kf. betrug.

Sodann: der in das Filter gefüllte Spiritus erfüllt theils die Poren der Holzkohlensubstanz, theils die Räume zwischen den einzelnen Holzkohlenpartikelchen. Durch die Absorption des Spiritus erfährt das Volum der Holzkohle keine Veränderung. Daher ist offenbar das wahre Volum der abgemessenen 186,33 Kf. Kohle = dem Filterinhalt minus Volum des nichtabsorbirten Spiritus. Es wurde nun der untere Abflußhahn des Filters geöffnet, der nichtabsorbirte, die Räume zwischen den Kohlenpartikelchen