Text-Bild-Ansicht Band 206

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das Hinabsinken des Spiritus, und umgekehrt, der Spiritus das Aufwärtssteigen der Luft erschwert resp. verhindert. Interessant ist es, den Kampf dieser beiden Körper durch das geöffnete Mannloch zu beobachten: wie aus einer dickschleimigen, gährenden Flüssigkeit die Kohlensäure, so arbeitet sich die Luft aus der spiritusumhüllten Kohlenmasse in Blasen mühsam an die Oberfläche empor; denn, nachdem der Spirituszufluß schon einige Zeit gewährt hat, reißt die Luft in der Regel den oberen Theil der Kohlensäule von dem unteren los, hebt ihn in die Höhe und will ihn zum Mannloche hinausdrängen; das Filter ist voll geworden, aber nur scheinbar. Jetzt wird der Spirituszufluß sofort unterbrochen: der Spiritus und die losgerissene Kohle senken sich allmählich wieder nieder. Der Zufluß beginnt auf's Neue. Dieses scheinbare Vollseyn des Filters, dieses Heben und Sinken der oberen Kohlenschicht wiederholt sich im Laufe des Anfüllens vielmal, und in der Regel erreicht man erst nach 36–72 Stunden ein anscheinend constantes Spiritusniveau im Halse des Filters. – Füllt man gleich von Anfang an mit vollkommen geöffnetem Zuflußhahn, so kommt häufig eine sehr interessante Erscheinung zu Stande. Schon nach Verlauf von etwa einer halben Stunde tritt ein constantes Niveau ein, das Zeichen der vollendeten Füllung. Und doch weiß man aus Erfahrung, daß das Filter nach einer halben Stunde noch nicht voll seyn kann. Die Erklärung der Erscheinung ist nicht schwer: der in großer Menge zufließende Spiritus verbreitet sich rasch im oberen Theile des Filters nach allen Richtungen des Querschnittes; hierdurch entsteht eine cylindrische Säule von Spiritus, welche das Aufsteigen der im unteren Theile des Filters befindlichen Luft völlig verhindert. Diese Säule senkt sich allmählich nieder, die Luft vor sich hindrängend und immer mehr und mehr zusammendrückend. Endlich ist die Spannkraft der Luft so gewachsen, daß sie das Spiritusgewicht zu tragen vermag, – jetzt hört das Sinken des Spiritus auf, das Filter füllt sich, das Niveau wird constant. In diesem Falle schwimmt der Spiritus auf einer Luftblase; er schwimmt auf der Luft wie Oel auf dem Wasser. Wird dann der am Uebersteigrohr befindliche Probirhahn geöffnet, so strömt die comprimirte Luft mit Hellem Pfiff aus, und der Spiritus sinkt. – Eine ganz ähnliche Erscheinung haben wir in der Savalle'schen Siebbodencolonne.

Die eben beschriebenen, unangenehmen Erscheinungen beim Füllen der Kohlenfilter von oben, rühren von der zwischen den Kohlenpartikelchen und in denselben befindlichen Luft her. Die Füllung geschah von oben bei geöffnetem Mannloche – und doch so viel Schwierigkeiten. Wievielmal größer werden sie seyn, wenn, wie das so vielfältig üblich ist, die