Text-Bild-Ansicht Band 206

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Auf welche Kraft, auf welche Ursache können wir die Abscheidung des Kohlenfusels aus dem Spiritus durch die Holzkohle zurückführen?

Da weder die Kohlensubstanz, noch der Kohlenfusel (z.B. das Aldehyd) eine chemische Veränderung während der Entfuselung erfahren, so kann die Affinität die entfuselnde Kraft nicht seyn. Es muß hier also eine physikalische Kraft wirken.

Der Kohlenfusel wird ohne chemische Veränderung aus dem Spiritus abgeschieden, das ist die Thatsache der Entfuselung. Offenbar kann diese Abscheidung desselben nur dadurch zu Stande kommen, daß er von einem anderen Körper angezogen und gebunden, festgehalten wird. Dieser anziehende, bindende, festhaltende Körper ist die Kohlensubstanz. Sie verbindet sich mit dem Kohlenfusel zu einem ungleichartigen Ganzen. Die Kraft aber, welche ungleichartige Körper zu einem ungleichartigen Ganzen verbindet, ist die Adhäsion. Auf Adhäsion ist somit die Entfuselung zurückzuführen.

Nun ist es bekannt, daß die Adhäsion zwischen einem und demselben Körper und verschiedenen Körpern sehr verschieden stark ist. An einer und derselben Glasfläche z.B. adhäriren andere Alkohol-, andere Wasser-, andere Aethermengen. Indem wir nun annehmen, daß die Adhäsion zwischen der Holzkohlensubstanz und dem Kohlenfusel größer sey, als zwischen der Kohlensubstanz und allen übrigen Rohspiritus-Bestandtheilen, erklärt sich die Abscheidung des Kohlenfusels, die Entfuselung des Rohspiritus durch Holzkohle auf eine durchaus ungezwungene Weise. – Es müßte hiernach möglich seyn, eine völlige Abscheidung des Kohlenfusels aus dem Spiritus zu bewirken. Thatsache aber ist es, daß dieß nie gelingt. Warum nicht, wird später erklärt werden.

Die Adhäsion tritt nur an der Oberfläche der Körper in die Erscheinung. Die Menge des von einem Volum porenloser Kohlensubstanz abgeschiedenen Fusels muß um so größer seyn, je größer die Oberfläche dieses Volums Substanz ist. Vergrößert man die Oberfläche n mal, so muß auch n mal mehr Fusel abgeschieden werden.

Eine Art, die Oberfläche eines Körpers zu vergrößern, ist die Bildung seiner Masse zu Poren. In mehr Poren aus einem Volum seiner Substanz gebildet werden, eine desto größere Oberfläche wird erhalten. Die Holzkohlensubstanz ist immer zu Poren formirt, aber bald mehr, bald weniger. Sie zeigt bald mehr, bald weniger Poren, also bald eine größere, bald eine geringere Oberfläche.

Daraus folgt, daß die Größe der entfuselnden Wirkung eines Volums Kohlensubstanz auch bedingt ist von der Porosität derselben; oder daß der Nutzeffect einer Kohle um so großer seyn wird, je poröser sie ist.