Text-Bild-Ansicht Band 206

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welches fast immer in Alkohol unlösliche Kalksalze enthält) bis zu 60 Proc. verdünnt wurde, so trat in der Regel keine Trübung ein. Erst wenn die Verdünnung bis auf 52–48 Proc. fortgesetzt wurde, trübte sich die Mischung.

Die Trübung auf Zusatz von destillirtem Wasser zeigt eine Abscheidung von Neben-, also von Fuselbestandtheilen des Spiritus an. Diese Ausscheidung fand, wie gesagt, bei 60 Proc. noch nicht statt.

Wurde der trübe Spiritus durch Kohle filtrirt, so erhielt man ein blankes Filtrat. Die Kohle hatte also die trübenden Fuselkörper absorbirt.

Auf Grund dieser Beobachtungen vermuthete man, daß aus dem Rohspiritus bei 50 Proc. Stärke ungleich mehr Kohlenfusel abgeschieden werde, als bei 60 Proc. Um diese Vermuthung zu prüfen, wurde von zwei gleichen Volumen desselben Rohspiritus das eine auf 60 Proc. und das andere auf 50 Proc. verdünnt. Beide Mischungen versetzte man mit gleichen Gewichten desselben im Mörser gut gemischten Kohlenpulvers. Nachdem vier Tage unter öfterem Umschütteln vergangen waren, filtrirte man von der Kohle ab, verdünnte das 60procentige Filtrat auf 50 Proc. und prüfte nun die beiden gleichstarken Filtrate durch den Geruch und Geschmack auf ihre Reinheit. Der Unterschied war unverkennbar; der mit 50 Proc. Stärke entfuselte Spiritus war ganz bedeutend reiner, als der andere. – Die in Schweden übliche stärkere Verdünnung des Rohspiritus hat daher einen ganz unbestreitbaren günstigen Einfluß auf die Reinigung desselben.

Soll der kohlegereinigte Spiritus als Trinkbranntwein von 30 Proc. oder 40 Proc., oder wieviel Procente Stärke immer verbraucht werden, so handelt man offenbar am zweckmäßigsten, wenn man den Rohspiritus gleich von vornherein bis zur Stärke des Trinkbranntweins mit Wasser verdünnt; in diesem Falle ist also der Verdünnung durch die nothwendige Stärke des Branntweines die Grenze gezogen.

Bei der Verarbeitung des Filtrates auf Feinsprit darf man auch nicht willkürlich stark verdünnen. Denn je stärker man verdünnt, desto höhere Destillationskosten erhält man. Hier sollte man aber mindestens bis zur Trübung des Rohspiritus verdünnen, wobei dann wohl zu unterscheiden ist zwischen der Trübung durch die Kalksalze des Brunnenwassers und der durch die ausgeschiedenen Fuselkörper.

VI. Die Entfuselung und die Berührungsdauer.

Wenn man Kohlenpulver mit bis zur Trübung verdünntem Rohspiritus in Berührung bringt, so erhält man ein Filtrat von geringerer oder größerer Reinheit, je nachdem man die Berührung beider Körper kürzere oder längere Zeit andauern läßt.