Text-Bild-Ansicht Band 206

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verdünnende Kohlenthätigkeit vorstellen mag, – es ist evident, nie kann der Gehalt des Mediums an Nicht-Entfuseltem Null werden. Bei unendlich langer Berührung kann er immer nur unendlich klein seyn.

Deßwegen kann keine völlige Entfuselung durch die Kohle erreicht werden; deßwegen kann jede Entfuselung nur eine relative, eine gradweise, eine größere oder geringere seyn; deßwegen braucht die Kohle Zeit, um den Spiritus auf einen bestimmten Reinheitsgrad zu bringen.

Die Kohlen- und die Spiritusmenge, welche in einer Batterie miteinander in Berührung sind, sind (abgesehen von den geringen Schwankungen welche dadurch hervorgerufen werden, daß die Kohle bald feiner, bald etwas gröber ausfällt) constant. Wie lange nun deren Berührung zu dauern habe, hängt natürlich von dem Entfuselungsgrade ab, welchen der Fabrikant seinem Filtrate geben will. Es läßt sich deßhalb darüber keine allgemein gültige Norm aufstellen; die Berührungsdauer muß in jeder Fabrik durch Versuche festgestellt werden.

Es soll ein Beispiel mitgetheilt werden. Eine Spritfabrik hatte dreifilterige Batterien. Jedes Filter enthielt eine 28 1/2 Ctr. schwere Kohlensäule von 24,6 Fuß Höhe und 3,1 Fuß Durchmesser.

Der Spiritus hatte somit von der Ein- bis zur Ausströmung eine 85 1/2 Ctr. schwere Kohlensäule von 73,8 Fuß Höhe und 3,1 Fuß Durchmesser zu passiren. Die Ausströmung befand sich am Kopfe der Filter, so daß die Kohle stets und ständig von Spiritus umgeben, nie trocken war.

Unter diesen Umständen filtrirte man in 24 Stunden circa 2750 Quart Spiritus à 47–50 Proc. Das Filtriren geschah aber während dieser 24 Stunden nicht ununterbrochen, sondern man ließ die Batterie während der ersten 12 Stunden ruhen, und während der zweiten 12 Stunden entnahm man ihr die 2750 Quart. Man hatte nämlich beobachtet, daß durch intermittirendes Filtriren ein besseres Tagesproduct erhalten wird, als durch continuirliches Filtriren. Die Qualität des Filtrates war hochfein.

Die in jedem Filter enthaltene Spiritusmenge betrug circa 3993 Quart (absorbirt: 2906 Quart, nichtabsorbirt: 1087 Quart). Die ganze dreifilterige Kohlensäule enthielt also 3 × 3993 = 11979 Quart Füllung.

Nimmt man nun an, daß, wenn der zufließende Spiritus Strömung in der Kohlensäule veranlaßt, hierdurch nicht allein der nichtabsorbirte, sondern auch der absorbirte Spiritus seiner ganzen Menge nach vorwärtsgedrängt werde, so braucht der Spiritus von der Einströmung bis zur Ausströmung 11979/2750 . 24 = 104 Stunden 30 Minuten.

Nimmt man dagegen an, daß allein der nichtabsorbirte Spiritus