Text-Bild-Ansicht Band 206

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Bevor ich zu einer Kritik derselben übergehe, will ich die bei meinen Untersuchungen angewendete Bestimmungsweise in Kürze anführen.

Der gepulverte Chlorkalk wurde gelöst und die Lösung ward filtrirt. Ein Theil der Flüssigkeit wurde in der Kälte mit Ammoniak versetzt, dann zum Sieden erhitzt; dadurch wurde der unterchlorigsaure Kalk zu Chlorcalcium umgewandelt, und dann wurde der gesammte Chlorgehalt als Chlorsilber bestimmt. In einem anderen Antheile der Lösung wurde das Chlor der Unterchlorigsäure nach Gay-Lussac's chlorimetrischer Methode bestimmt. Der gesammte Kalk und die anderen fixen Bestandtheile wurden nach den gewöhnlichen Methoden in dem vorher durch Ammoniak zu Chlorcalcium umgewandelten Chlorkalkpulver bestimmt.

Calvert verfährt in anderer Weise. Er behandelt die filtrirte Lösung des Chlorkalkes mit einem Kohlensäurestrome, durch welchen das Chorcalcium nicht angegriffen, der unterchlorigsaure Kalk dagegen zersetzt und in kohlensauren Kalk umgewandelt wird, dessen Gewicht die Menge des an die Unterchlorigsäure gebundenen Kalkes und somit die Menge des Unterchlorigsäuresalzes selbst anzeigt. Die filtrirte Flüssigkeit enthält das Chlorcalcium, welches man nach den gewöhnlichen Methoden bestimmen kann.

Der wesentlichste Einwurf welchen ich gegen diese Methode zu machen habe, gründet sich auf die Thatsache, daß, wenn man eine Lösung von Unterchlorigsäure in Gegenwart von frisch gefälltem kohlensauren Kalke bis zum Sieden erhitzt, ein Theil dieses kohlensauren Kalkes zu Chlorcalcium umgewandelt wird. Man erhält daher bei der Analyse eine zu niedrige Zahl für kohlensauren Kalk, also für Unterchlorigsäure, und gleichzeitig eine zu hohe Zahl für das Chlorcalcium. Andererseits ist der Kalk im Chlorcalcium, und folglich im Chlorkalk, ziemlich löslich. Die Lösung dieses letzteren enthält stets einen Ueberschuß von Kalk, welcher bei der auf die Bestimmung des Kalkes gegründeten Berechnung des Chlors eine Fehlerquelle bildet.

Andererseits behandelt Calvert ein bestimmtes Gewicht von trockenem Chlorkalk mit absolutem Alkohol, welcher nach seiner Angabe nur das Chlorcalcium löst; letzteres wird dann in der alkoholischen Lösung bestimmt.

Hiernach müßte also der unterchlorigsaure Kalk in ungelöstem Zustande auf dem Filter bleiben und könnte dann durch Behandlung des Filterinhaltes mit Wasser bestimmt werden. Ich habe diesen Versuch ausgeführt, konnte aber auf dem Filter nur Spuren von unterchlorigsaurem Kalk constatiren. Davon war ich durchaus nicht überrascht, denn es wird mir schwer anzunehmen daß es möglich ist, einen so oxydirbaren